Aufhebung der Zensur des Internets in Tunesien – Eine kleine selbsterlebte Chronologie

In der Nacht von Samstag auf Sonntag (5.2./6.2.2011) wurden die letzten Beschränkungen des Internets aufgehoben. Die Suche nach erotischen und pornografischen Inhalten ist jetzt uneingeschränkt verfügbar, ebenso wie einschlägig bekannte Pornoseiten. 

Die ersten Sperren fielen unmittelbar nach der dritten und letzten Rede des ehemaligen Präsidenten Ben Ali am 13. Januar 2011, viele gesperrte Seiten und Facebook-Profile wurden freigegeben, darunter auch Portale wie Youtube, Dailymotion und Flickr.

Am 22. Januar 2011 wurden dann die Outgoing Mailports freigeschaltet. Somit konnte man ab diesem Zeitpunkt auch in Tunesien wieder seine gewohnten E-Mail-Programme wie Thunderbird oder Outlook (Express) nutzen und man musste nicht mehr über die Web-Interfaces der Mailanbieter seine Mails verschicken.

Am 24. Januar 2011 fiel die Sperre des Google Cache. Dieser war gesperrt worden, um zu verhindern, dass aus Tunesien gesperrte oder gelöschte Seiten doch noch im Google Cache betrachtet werden konnten.

Danach wurden nur noch Publikationen und Internet-Seiten zensiert, die gegen die Verfassung des Landes verstießen. Hiermit war insbesondere die Pornographie gemeint, unter der zur Zeit in Tunesien allerdings auch schon die bloße Zurschaustellung „nackter Tatsachen“ verstanden wird. Bei der Suche nach solchen Themen erhielt man dann nicht mehr die einfache Browserfehlermeldung „404 – Not Found“ sondern die folgende Hinweisseite:

Le contenu de ce site porte atteinte aux bonnes mœurs ou comporte des éléments violents ou incite à la haine. Si vous jugez le contraire, prière de contacter l’adresse suivante : contact@web-liberte.tn

الموقع منافي للأخلاق الحميدة أو ذو محتوى عنيف أو يحرض على الكراهية. إذا كنت ترى عكس ذلك الرجاء الاتصال بالعنوان التالي : contact@web-liberte.tn

Mit der Freigabe der sexuellen Inhalte wurden auch einige letzte gesperrte Seiten frei gegeben, wie zum Beispiel das Facebook-Profil eines in London im Exil lebenden tunesischen Journalisten, einigen Proxyseiten sowie der Webseite 4chan.org.

Titelbild: Hardware für die Zensur des Internets in Tunesien (Ammar 404)