Sind Nordafrikaner Araber? – Die Genetik des Maghreb

Während die überwiegende Mehrheit der Tunesier (98%) und andere Maghrebiner sich kulturell als Araber identifizieren, weisen wissenschaftliche Studien darauf hin, dass sie ethnisch Berbern und Europäern näher stehen als den Arabern. Vergleicht man beide Gruppen, so stellt man fest, dass die Tunesier eng mit den nordafrikanischen Stämmen und den Westeuropäern, insbesondere den Europäern der iberischen Halbinsel (Spanien) verbunden sind, während Algerier und Marokkaner mehr in der Nähe der Berber stehen, was darauf hindeutet, dass die Araber, die seit dem 7. oder 8. Jahrhundert in Nordafrika leben, nur einen kleinen genetischen Beitrag geleistet haben.

Obwohl diese Studien auf jüngsten Forschungen basieren, bestätigen sie, was Historiker wie Ibn Khaldun, Gabriel Camps, etc… schon immer gesagt hatten, dass der arabische Beitrag an den Populationen im Maghreb sehr klein ist und das Zehntausende von arabischen Invasoren nicht wesentlich den Genpool von Millionen von Berbern so verändern konnten, dass aus ihnen Araber geworden sind.

Verbreitung Berber-DNA E1B1B1B
Verbreitung Berber-DNA E1B1B1B

Das Urteil der oben genannten Forscher ist klar: Die arabische (oder arabisch-muslimische) Identität Tunesiens und des Maghreb ist mehr Fantasie als Realität. Diese Fantasie wurde in der letzten Zeit in die Köpfe und Herzen der heutigen Generation eingepflanzt, deren Väter, Großväter und Vorfahren waren sicherlich realistischer und haben noch nie diese zweifelhafte Herkunft für sich beansprucht, die von Öl-Monarchien und ihren islamistischen Dienern erfunden wurde.

Wir wissen, dass der Maghreb, ursprünglich von Berbern bewohnt, von vielen Kulturen in unterschiedlichem Maße beinflusst wurde und auch Vermischungen mit diesen Völker stattfanden: Phönizier, Römer, Vandalen aus Deutschland, Araber, Spanier, Türken und Franzosen. Darüber hinaus kamen auch viele Mauren (islamisierte Spanier) und Juden aus Andalusien im späten fünfzehnten Jahrhundert nach Nordafrika.

Die ersten Araber aus dem Osten kamen im siebten Jahrhundert als muslimische Eroberer mit dem Ziel der Islamisierung Ifriqiyas. Im elften Jahrhundert, mit der Ankunft der Hilali-Stämme, die aus Ägypten vertrieben wurden, beginnt die entscheidende sprachliche und kulturelle Arabisierung. Gabriel Camps sagt in seiner Veröffentlichung (Die Berber. Erinnerung und Identität, hrsg. Errance, Paris, 1995, S. 102): “Durch die Stärkung der Präsenz der nomadischen Bevölkerung waren die Araber im zehnten Jahrhundert eine unbedeutende demographische Größe, bestimmten aber das kulturelle und sozio-ökonomische Leben”.

Wie Ibn Khaldun sagte: “Wir sind keine Araber, wir sind “Arabisierte” (Moustaaraboune). Es ist keine Schande, zuzugeben: Die Maghrebiner sind … die Maghrebiner (Magharibeh)”.

Heutzutage sind fast alle Tunesier (98% der Bevölkerung) sunnitische Muslime der Rechtsschule Maliki. Die große jüdische Bevölkerungsgruppe, die seit 2000 Jahren existiert hat, ist auf einen Bruchteil geschrumpft und lebt heute vor allem in den Regionen von Tunis und Djerba, die Mehrzahl der tunesischen Juden emigrierte nach Israel oder Frankreich. Es gibt auch nur noch eine kleine christliche Population.

Es ist nutzlos zu sagen, dass Tunesien nicht muslimisch ist. Wo ist aber der Streit? Wohl nur, dass die Befürworter der arabisch-islamischen Identität alle nationalen Referenzen (Tunesien, Algerien, Marokko, etc..) auslöschen wollen, zugunsten einer Bezugnahme auf eine “Ummah”, in der wir alle nicht Bürger, sondern Untertanen eines Scheichs, eines Königs, eines Emirs oder Kalifen sein würden.

Genetik: DNA-Genealogie und Geschichte unserer Vorfahren

Mit einer einfachen Speichelprobe sind die Genetiker heutzutage in der Lage, die Geschichte der Migration der Vorfahren jedes Einzelnen zu verfolgen. Die Techniken sind mittlerweile so ausgereift, dass genetische Spuren bis in prähistorische Zeiten zurückverfolgt werden konnten (900 Jahre v. Chr., 814 v. Chr. Didon/Elyssa, Gründer und Königin von Karthago).

Die Genetiker sind durch die Haplogruppen in der Lage, Familienlinien über viele Jahrhunderte zu verfolgen. Haplogruppen kann man sich als die Zweige eines Stammbaums des Homo Sapiens vorstellen, so haben alle Personen mit einem ähnlichen genetischen Profil einen gemeinsamen Vorfahren.

Es gibt zwei Arten von Haplogruppen, die erste ist die mitochondriale DNA (mtDNA), die zweite die paternale DNA (Y-DNA). Die mitochondriale DNA wird von der Mutter auf alle ihre Kinder (Mädchen und Junge) übertragen. Die Y-DNA überträgt das Y-Chromosom des Vaters auf seine Söhne (männliche Linie).

Durch die Identifizierung der Haplogruppen und deren Vergleich zwischen den Populationen ist es möglich, mit ziemlicher Sicherheit die Wanderungsbewegungen der Menschen zu verfolgen. Diese Techniken machen es möglich, das geografische Gebiet, in denen unsere Vorfahren lebten, zu bestimmen.

Um die Haplogruppe zu bestimmen, analysiert man die SNPs. SNPs (Single Nucleotide Polymorphism) sind Variationen von einzelnen Basenpaaren in einem DNA-Strang. Ca. 90% aller genetischen Varianten basieren auf SNPs. Ihre wissenschaftliche Bedeutung liegt im häufigen Auftreten und der hohen Variabilität. Ausserdem sind sie sehr schnell und einfach zu bestimmen. SNP-Tests gibt es für mtDNA und Y-Chromosomen. Anhand dieser Tests lässt sich die Zugehörigkeit einer Person zu einer Haplogruppe bestätigen. Haplogruppen spielen zwar aus genealogischer Sicht (nähere Vergangenheit bis 1.000 Jahre) derzeit noch keine wichtige Rolle, sind aber aus anthropologischer und historischer Sicht (Antike und frühzeitliche Vergangenheit) von Bedeutung.

Maghreb, väterliche Linie: Y-Chromosomen-DNA

Die wichtigsten Y-Chromosom Haplogruppen der Tunesier und Maghrebiner (berbersprachig und arabischsprachig) sind im Allgemeinen:
Berber-Marker E1b1b1b (M81) und der Araber-Marker J1 (M267). Laut den Daten in der Tabelle “Väterliche Linie” (Lignée paternelle : l’ADN du chromosome Y) lässt sich berechnen, dass der Berbermarker mit 59,6% im Durchschnitt die Mehrheit hat und der der Araber mit 20,6% in der Minderheit ist.

E1b1b1b (Berber-Marker Bild oben), ist charakteristisch für die Menschen in Nordwesten Afrikas (Maghreb), in einigen entlegenen Gebieten des Maghreb hat sogar keine Vermischung der Populationen stattgefunden und die Verbreitung des Berbermarkers liegt bei 100%. Die Haplogruppe E1 wird auch auf der iberischen Halbinsel (durchschnittlich 5%) gefunden und mit niedrigeren Frequenzen in Italien, Griechenland und Frankreich.

Die Karte unten zeigt die geografische Verteilung des Haplotyp E1b1b1b, dem charakteristischen Berber-Marker in Tunesien, es stellt sich heraus, dass die tunesische Bevölkerung in überwiegender Mehrheit Berber sind.

J1 ist eine “semitische” Haplogruppe, die sehr häufig auf der arabischen Halbinsel und mit Frequenzen von um die 70% im Jemen auftritt. J1 ist der Araber-Marker, zu dem allerdings auch 20% der Juden gehören, dort ist auch der genetische Ursprung aller Araber mit diesem Marker zu suchen. Dieser Marker wird auch in der Türkei, Südeuropa und Frankreich gefunden.

Maghreb, mütterliche Linie: Mitochondriale DNA

Zahlreiche Studien wurden über die Bevölkerungen von Marokko, Algerien, Tunesien oder dem Maghreb im Allgemeinen durchgeführt. Dabei zeigt sich, dass sich die allgemeine mitochondriale (mütterliche) Genetikstruktur der tunesischen und nordafrikanischen Bevölkerung überwiegend wie folgt zusammensetzt:

  • Aus den Haplogruppen (H, J, T, V. ..), gemeinsam mit der europäischen Bevölkerung (45 bis 85%)
  • Haplogruppe L (3-50%) sehr häufig in Subsahara-Populationen (Südl. Sahara Region)
  • Haplogruppe M1 (0 bis 15%), vor allem in den ostafrikanischen Populationen
  • Haplogruppe U6 (0-28%), meist in Nordafrika, Frequenzen von 5% auf der iberischen Halbinsel
  • Haplogruppen M, N und X (0-8%), hauptsächlich in Eurasien.

Foto: Symbolfoto (Maghrebinische Frauen)

Quelle(n):
IGenea
numidia-liberum.blogspot.com
eddenya.com
Wikipedia