Britische Forscher finden Hinweise auf 72.000 Jahre alten menschlichen Korridor durch Tunesien

Forscher der Universität Oxford haben Tierknochen und Steinwerkzeuge an den Rändern eines riesigen ausgetrockneten Sees in Tunesien gefunden. Sie glauben, dass die Küsten des Chott Megalake (der Chott el Jerid ist der letzte Rest) einen frühen Korridor aus der Sahara zur Verbreitung des Homo sapiens und anderen Tieren aus dem subsaharischen Afrika vor 200.000 bis 10.000 Jahren gebildet haben könnten.

Tunesien ist eine Schlüsselregion für das Verständnis der Natur und der Verbreitung anatomisch moderner Menschen, da es an der „Kreuzung“ der Nord-Süd-Bewegungen zwischen der Sahara und dem Mittelmeer sowie der Ost-West-Migration entlang der nordafrikanischen Küste in den Maghreb liegt. Ein Team aus Forschern der Universität Oxford, dem Kings College London und Tunesien fanden vereinzelte Steinwerkzeuge und Tierknochen rund um ein bedeutendes Seebecken, das jetzt ausgetrocknet ist, aber in den Wintermonaten einmal voller Wasser war.

Chott Megalake
Chott Megalake

Die Forscher sagen, dass die Tierknochen besonders interessant seien und eine Mischung aus verschiedenster Fauna wie Nashörnern, Zebras, Boviden (Oryx, Kuhantilopen, Gazellen, Auerochsen und Büffel), Fleischfressern und Straußen zeigen. Nach Angaben des tunesischen Co-Direktors des Projekts, Nabiha Aouadi, „stelle die damalige Tierwelt ein Biotop südlich der Sahara und Savanne dar, die sich sehr von dem unterscheide, was dort heute existiert“. Das Team glaubt, dass die Landschaft einmal feucht und grün war, was sie zu einem idealen Lebensraum für Tiere und menschliche Siedlungen gemacht hatte.

Die Forscher fanden Hinweise auf erhebliche Jagdaktivitäten in Form von verstreuten Steinprojektilen und Tierknochen mit Brüchen, um an das Knochenmark zu kommen. Laut Professor Nick Barton sind die Steinwerkzeuge „klassische Beispiele für eine (mittelsteinzeitliche) Jagdtechnologie mit vielen kleinen Stielspitzen (Aterian Points) für Wurfspeere.“ Eine weitere interessante Entdeckung sei, dass einige der Steinwerkzeuge aus einem Rohmaterial hergestellt werden, das als Silcrete (Mineralien aus erhärteter Kieselsäure) bekannt ist und in einer Entfernung von 150 km von der Fundstelle gewonnen wurde.

Der Leiter des Labors für Lumineszenz-Datierung an der Universität Oxford, Dr. Jean-Luc Schwenninger, hat mit ausgeklügelten neuen Datierungsmethoden die Uferablagerungen auf 72.000 bis 98.000 Jahre datiert, um aufzuzeigen, wann die Salinenflächen ein See war.

Die Chott-Region ist heute durch zahlreiche sehr große Expositionen von salzhaltigen Schlammsedimenten und kleinen Salzseen gekennzeichnet. Das ehemalige ausgedehnte Seesystem wurde von mehreren kleinen Flüssen aus dem Atlasgebirge und zwei viel größeren Flusssystemen gespeist, deren Quellen in den Tassili n-Ajjer und Hoggar Bergen der zentralen Sahara liegen.

Projektleiter Professor Nick Barton von der School of Archaeology an der Universität von Oxford sagte: „… dies ist das erste gut datierte Aterium (Kultur der Spätsteinzeit) in der nördlichen Sahara. Es zeigt, dass der Homo sapiens dieses Gebiet vor mindestens 72.000 Jahren bewohnt hatte, indem er die Seen als Zwischenstationen für ihre Ausbreitung aus Afrika benutzte.“

Das Projekt wird vom tunesischen Nationalen Institut für Kulturerbe gesponsert und vom Ministerium für Kultur in Zusammenarbeit mit der Kammer zur Entwicklung des Tourismus in den Oasen und der Sahara unterstützt. Die Finanzierung der Arbeit wurde durch Zuschüsse von der Universität Oxford, des Kings College London, National Geographic und der Gesellschaft für libysche Studien unterstützt.

Quelle & Bilder: Oxford University