West-Nil-Fieber in Tunesien – Wie gefährlich ist der West-Nil-Virus?

In Tunesien wurden drei von elf Verdachtsfällen von West-Nil-Fieber in den Gouvernoraten Sousse, Kairouan und Béja bestätigt. Zwei der bestätigten Fälle traten in Sousse und Béja auf, der dritte bestätigte Fall ist der eines 45-jährigen Mannes aus Msaken (Sousse), der an dem Fieber verstarb. Das sagte Dr. Nissaf Ben Alaya, Generaldirektorin des Nationalen Observatoriums für neue und aufkommende Krankheiten (ONMNE). Auch aus Sfax werden neue Verdachtsfälle gemeldet.

Das Virus infiziert überwiegend Vögel und wird dann durch Stechmücken auf Menschen, Pferde und andere Säugetiere übertragen. Insbesondere die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) spielt bei der Verbreitung eine besondere Rolle, da diese sowohl Menschen als auch Vögel sticht. Die WNV-Infektion beim Menschen verläuft in der überwiegenden Zahl der Fälle symptomlos.

Krankheitsbild

Die Symptome unterscheiden sich kaum von denen eines grippalen Infektes und treten zwischen 3 und 14 Tagen nach dem Stich einer infizierten Mücke auf. Die häufigsten Symptome, die oft bis zu drei Wochen anhalten, sind: Fieber, Abgeschlagenheit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Schwellungen der Lymphknoten. Bei weniger als einem Prozent der an West-Nil-Fieber Erkrankten kommt es zu einer Hirnhautentzündung oder zu Lähmungserscheinungen. Besonders schwere Verläufe können zu bleibenden Schäden und zum Tod führen. Hohes Alter und Immunschwäche (z. B. durch Immunsuppressiva oder eine AIDS-Erkrankung) erhöhen das Risiko für einen Befall des Zentralnervensystems. Auch eine Mutation des menschlichen Gens CCR5 mit der Bezeichnung CCR5Δ32 (CCR5-Delta32) steht im Verdacht, die Anfälligkeit eines Menschen für das West-Nil-Virus massiv zu erhöhen.

West-Nil-Fieber: Therapie

Die Krankheit endet normalerweise nach etwa sieben Tagen von selbst. Es gibt keine spezielle Therapie zur Behandlung des West-Nil-Fiebers. Alle Therapieversuche mit gängigen antiviralen Medikamenten verliefen bisher erfolglos. Daher beschränkt sich die Therapie auf die Linderung der Symptome wie Fieber oder Gliederschmerzen. Eine Isolation ist nicht nötig. Verläuft die Krankheit schwer, ist eine Überwachung im Krankenhaus sinnvoll, um beim Auftreten von Komplikationen rasch reagieren zu können.

Auftreten

In Dürre- und Hitzeperioden kann es zu einer sprunghaft vermehrten Ausbreitung kommen, da durch die fehlende Spülung in der Kanalisation und in Flussbetten vermehrt stehende Gewässer, z. B. in Form von Pfützen, entstehen, die von Stechmücken als Brutgewässer genutzt werden. Aber auch nach starken Regenfällen können überflutete und nur langsam abtrocknende Flächen zur Brut genutzt werden (Nabeul). Mücken brüten auch gerne in vom Menschen zur Verfügung gestellten, ruhigen Gewässern, wie beispielsweise Zierteichen, Vogeltränken oder -bädern.

In Deutschland wurde das Virus erstmals Ende August 2018 bei drei Bartkäuzen aus einer Voliere im Zoo von Halle (Saale) nachgewiesen. In Bayern wurde das West-Nil-Virus Mitte September 2018 bei einem verendeten Bartkauz in einem Wildpark in Poing im oberbayerischen Landkreis Ebersberg nachgewiesen. Gleichfalls Mitte September 2018 wurde das Virus bei einem in Bad Düben (Sachsen) gehaltenen Habicht nachgewiesen, ferner in Berlin bei einer Schnee-Eule sowie bei mehreren Drosseln. In Plessa (Brandenburg) wurde das Virus Mitte September 2018 bei mehreren Pferden entdeckt und im Landkreis Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) Ende September 2018 bei einer toten Drossel.

Tigermücke

Die Asiatische Tigermücke ist eine zwischen zwei und zehn Millimeter große, auffällig schwarz-weiß gemusterte Stechmücke, wobei die Männchen rund 20 Prozent kleiner als die Weibchen sind. Sie kann anhand ihrer Zeichnung leicht identifiziert werden. Auffällig sind vor allem die gestreiften Hinterbeine und eine silbrig-weiße Linie aus eng aneinander liegenden Schuppen, die mittig vom Kopf verläuft und sich am oberen Brustteil (Thorax) fortsetzt. Diese Zeichnung ist das sicherste Merkmal zur Identifikation der Asiatischen Tigermücke. Quer dazu hat die Tigermücke noch eine weiße Linie auf dem Thorax.

Erste Exemplare der Tigermücke wurden in Tunesien im Juli 2017 in La Marsa bei Tunis entdeckt. Lesen Sie dazu unseren damaligen Artikel mit weiteren Informationen zur Asiatischen Tigermücke: Tigermücke (Aedes albopictus) in Tunesien?

Quelle: TAP

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