Inseln Tunesiens: Die Insel Djerba und ihre Attraktionen

Djerba (Jerba, Dschirba, Girba, Meninx) ist eine flache Insel an der Ostküste Tunesiens im Golf von Gabès. Die Insel Djerba liegt auf dem Gebiet des Verwaltungsbezirks Medenine und ist mit 514 km² die größte Insel Nordafrikas. Unter den rund 120.000 Inselbewohnern, zumeist Berber, befindet sich seit vielen Jahrhunderten eine jüdische Gemeinde.

Römerdamm
Römerdamm

Hauptort Djerbas ist Houmt Souk. Mit dem Festland ist die Insel durch einen etwa sieben Kilometer langen und gut zehn Meter breiten Damm mit dem Festland verbunden. Der Damm geht auf die römische Zeit zurück, weswegen er den Namen “Römerdamm” trägt. Jüngeren Forschungen zufolge könnte der Damm allerdings auch schon auf die punische Zeit zurückgehen. Später wurde der Damm vom Meer überflutet und während der Auseinandersetzungen Draguts mit den Spaniern um 1551 aus Sicherheitsgründen ganz durchbrochen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er wiederhergestellt. Entlang des Damms erfolgt auch die Trinkwasserversorgung der Insel über eine Pipeline. Im Südwesten der Insel gibt es eine Fährverbindung zwischen den Orten Jorf auf dem Festland und Ajim auf Djerba.

In der Antike und der griechischen Mythologie war die Insel Djerba unter dem griechischen Namen Meninx (laut Ptolemäus “Insel der Lotophagen (Lotosesser)”) bekannt. In Homers Odyssee besuchen Odysseus und seine Seefahrer die Insel der Lotophagen, wo zwei seiner Kundschafter freundlich empfangen werden, aber der betörenden Süße der Lotosfrüchte fast erliegen.

Ab der Spätantike ist der Name Girba belegt. Auf ein spätantikes Bistum geht das Titularbistum Girba der römisch-katholischen Kirche zurück.

Weitere historisch-geschichtliche Daten:

  • 1134 bis 1165: Besetzung der Insel Djerba durch die Normannen.
  • 1154: Aufstand der Bewohner Djerbas. Er wird von den Normannen blutig niedergeschlagen.
  • 1524 bis 1551: Djerba ist Hauptstützpunkt der türkisch-nordafrikanischen Korsaren unter Turgut Reis.
  • 9. Mai 1560 – 14. Mai 1560: In der Seeschlacht von Djerba fügte eine Flotte des Osmanischen Reichs unter Großadmiral Piale Pascha und Turgut Reis der Flotte einer von Spanien angeführten Koalition christlicher Mittelmeermächte eine vernichtende Niederlage zu, 18.000 Kämpfer der christlichen Armee verloren ihr Leben. Die noch mit 5.000 Spaniern besetzte Festung wurde von Dragut belagert, nach deren Aufgabe ließ der Korsarenführer diese bis auf den letzten Mann köpfen und mit ihren Schädeln eine Pyramide auftürmen, die fast 300 Jahre lang Bestand hatte und erst 1848 auf Drängen europäischer Mächte beseitigt und anstelle dessen ein Obelisk in der Nähe der Festung errichtet wurde.

Highlights:

Der Hauptort der Insel Djerba, Houmt Souk

Houmt Souk Hauptstraße
Houmt Souk Hauptstraße

Houmt Souk ist eine Stadt im Südosten Tunesiens und mit rund 65.000 Einwohnern Hauptort der Insel Djerba und eine der größten Städte in der Region. Heute profitiert der Ort von der Nähe der touristischen Hotels und bietet zahlreiche touristische Einkaufsmöglichkeiten, einen Fischereihafen, die Festung Bordj-el-Kebir sowie ein kleines Volkskundemuseum.

Der Ort verfügt allerdings über eine lange Handelstradition, wovon mehrere alte Karawansereien zeugen. Schon die Römer besaßen hier eine Siedlung, deren Name als Gerra überliefert wurde. Später nannte sich der Ort Girba, diese Bezeichnung übertrug sich auf die bis dahin unter dem Namen Meninx bekannte Insel. Bis zur Islamischen Expansion existierte auf Djerba ein römisch-katholisches Bistum namens Girba, dass auch noch zur heutigen Zeit als ein Titularbistum gleichen Namens besteht.

Die Festung Borj Ghazi Mustapha (Borj El Kebir) bei Houmt Souk

Borj el Kebir in Houmt Souk, Djerba Innenansicht
Borj el Kebir in Houmt Souk, Djerba Innenansicht

Die Festung ist unmittelbar neben dem Fischereihafen der Stadt Houmt Souk gelegen. Sie wurde wurde im Jahr 1289 von Roger de Loria, Herrscher über Aragon und Sizilien am Platz und auf den Resten eines römischen Forts gebaut. Im 15. Jahrhundert wurde die Festung erstmals umgebaut und verstärkt. Ab 1557 baute der osmanische Korsarenführer Dragut die Festung über mehr als 10 Jahre lang zur heutigen Festung aus, die verschiedenen Ausbaustufen sind heute noch gut erkennbar.

Seit 1968 findet eine umfangreiche Restaurierung statt. Im Inneren sind Exponate aus den verschiedenen Epochen der Festung ausgestellt.

Eine zweite Festung, die um 1290 von Roger de Loria errichtet wurde, liegt auf der südöstlichen Landzunge Bine El Qudiane. Seinerzeit war dieses Fort noch vollkommen vom Wasser umschlossen, heute liegt es trocken auf Schwemmland. Es hatte eine Seitenlänge von rund 30 Metern und besaß mehrere Türme. Heute ist das Fort im Zerfall begriffen und nur über eine Piste erreichbar, deren Nutzung nicht ganz ungefährlich ist und nur mit Allradfahrzeugen genutzt werden sollte. Auch wenn die Festung an manchen Tagen je nach den Sichtverhältnissen sehr nah zu sein scheint, sollte man von einem Fußmarsch absehen.

Die Flamingoinsel

Djerba Flamingoinsel
Djerba Flamingoinsel

Für Familien mit Kindern ist ein Besuch der Flamingo-Insel schon fast eine Pflicht. Im Hafen von Houmt Souk werden stilechte Fahrten mit einem Piratenschiff angeboten, mit denen man nach 60 bis 90 Minuten angenehmer Fahrt über das Mittelmeer die Flamingo-Insel erreicht, die besonders exotische und spektakuläre Landschaft von Ras R’mel, ein völlig naturbelassenes Gebiet mit Molen, feinem weißen Sand und einer wunderschönen Lagune, wo alljährlich die rosafarbenen Flamingos überwintern.
Flamingo-Insel-Touren werden zumeist auch aus den Hotels angeboten, Fahrten zur Insel werden auch mit umgebauten Fischkuttern oder Schnellbooten angeboten.

Der Freizeitpark Djerba Explore

Ein Erlebnis für die ganze Familie ist der Park “Djerba Explore”. Er befindet sich mitten in der Touristikzone von Midoun, am Fusse des Leuchtturmes von Taguermess. Der Park befindet sich weniger als 10 Minuten weit von den Haupthotels der Insel Djerba entfernt und ca. 20 Kilometer vom Flughafen der Stadt Houmt Souk.

Djerba Explore – Dorf mit Museum
Djerba Explore – Dorf mit Museum

Der Park Djerba Explore ist in fünf Sektionen aufgeteilt:

  • Freizeit- und Vergnügungsbereich: Ein Dorf mit Straßen, Plätzen und zahlreichen Freizeit- und Vergnügungsmöglichkeiten wie Boutiquen, Cafés und Restaurants.
  • Das volkskundliche Lalla Hadria Museum: Das Museum bietet ein reiches Panorama der Kunst in Tunesien und der arabo-islamischen Welt. In 15 klimatisierten Räumen erwarten den Besucher über 1.000 Exponate einer Sammlung aus 13 Jahrhunderten Kunst und Geschichte. Man findet Meisterwerke der Kalligraphie und der Miniatur, Heiligtümer, wertvolle Schmucksets und alte Türen, Keramik und Töpfereien wurden mit Leidenschaft aus der ganzen Welt zusammengetragen. Innerhalb des Museums gibt es zwei große Unterteilungen der Sammlung: Ein Teil ist der Gesamtheit der arabo- islamischen Kulturen gewidmet, der andere Teil der tunesischen Kunst. So kann man unter anderem die glänzend gemachten Fliesen von Kachan, das Pergament des Korans von Kairouan, die Fragmente des Vorhangs von Mekka, die Geldfahnen und Seide mystischer Bruderschaften, die emaillierten Töpfereien von Tunesien und die prächtige Sammlung tunesischer Juwelen und Kleidungen bewundern.
Djerba Explore – Fütterung der Krokodile
Djerba Explore – Fütterung der Krokodile
  • Die Krokodilfarm: In der größten Krokodilfarm des Mittelmeerraumes leben 400 Nilkrokodile. Die Umgebung ist wüstenartig-afrikanisch mit Papyruspflanzen, Palmen und Bananenbäumen gestaltet. Inmitten dieser Umgebung, in Becken und dem tropischen Gewächshaus leben die Krokodile, die aus Madagaskar hergebracht wurden. Das Nilkrokodil ist eines der größten Krokodilarten, einige Männchen werden bis zu 7 Metern groß, bei einem Gewicht von etwa einer Tonne.
  • Djerba Heritage: Hier werden traditionelle Häuser und Handwerkskunst vorgestellt. So findet man eine traditionelle Ölmühle, eine Töpferwerkstatt und die Webereien. Traditionelle Wohnhäuser werden auf Djerba “HOUCH” genannt. Sie sehen aus wie eine kleinen Festung mit einer geschlossenen Architektur auf der Außenseite. Bei dieser Bauweise, urspünglich bescheiden und einfach, gruppieren sich die Wohnräume um den Innenhof. Aus Hygiene- und Sicherheitsgründen ist die Küche ist separat eingebaut.
  • Unterkunftsbereich: Der fünfte Bereich ist ein Unterkunftsbereich mit einem Hotel im Residenzstil.

Das Töpferdörfchen Guellala

Das Töpferdorf Guellela
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Guellala ist ein im Süden der Insel Djerba gelegener Ort mit rund 10.000 Einwohnern, die überwiegend berberischer Abstammung sind. Er befindet sich nordwestlich des Römerdamms und ist auch von dort auf direktem Weg zu erreichen. Der Ort ist im ganzen Land berühmt für seine Keramik. Die Geschichte des Ortes ist dank der reichen Vorkommen von Tonerde seit mehreren Jahrhunderten bzw. Jahrtausenden von der Töpferei bestimmt.
Der Name Guellela stammt von dem berberischen Wort “iqellalen” ab, was wörtlich Töpfer bzw. Keramiker bedeutet. Wahrscheinlich schon um 1.500 vor Christus gab es hier erste Brennöfen. Von hier aus gingen Töpferwaren per Karawane in die Regionen an der ganzen nordafrikanischen Küste und in die Sahara, denn tönerne Gefässe wurden überall zur Aufbewahrung von Gegenständen oder der Speicherung von Wasser, Getreide oder Lebensmitteln benötigt.

Das Töpferdorf Guellela Museum
Das Töpferdorf Guellela Museum

In den Seitenstraßen abseits der Hauptstraße gibt es nur noch ein paar Dutzend Töpfereien, die betrieben werden. Sie erkennen die original in Guellela hergestellten Tonwaren an ihrem unglasierten und unbemalten Zustand. Die vielfach auch angebotenen bunten Tonwaren stammen nicht von hier sondern meist aus Nabeul im Sahel.
Die Töpfer von Guellela haben ein Nachwuchsproblem. Viele junge Leute erliegen dem Ruf der Moderne und wollen die uralte Tradition ihrer Väter nicht mehr fortführen. Sie zieht es in die Hotels und die Städte, um dort ihr Glück zu versuchen.
Ist man in im Ort, sollte man auch das kleine Museum für Volkskunst und Traditionen (Musée de Guellela) besuchen, dass Szenen des Lebens aus früherer Zeit anschaulich darstellt.

Die Synagoge la Ghriba

Al Ghriba Synagoge Innenansicht mit Decke
Al Ghriba Synagoge Innenansicht mit Decke

Die La-Ghriba-Synagoge ist die älteste erhaltene Synagoge in Nordafrika. Ghriba bedeutet auf Arabisch „wunderbar“ oder „fremd“ und spiegelt die besondere Bedeutung der Synagoge in den jüdischen Traditionen von Tunesien wieder. Sie ist die bekannteste von mehreren Synagogen, die denselben Namen tragen, und die sich in anderen Ländern von Nordafrika (insbesondere bei Annaba, Algerien) befinden. Sie liegt im Dorf Erriadh, einige Kilometer südwestlich von Houmt Souk.
Die Synagoge wurde Ende des 19. Jahrhunderts an der Stelle des antiken Gebäudes aus dem 6. Jahrhundert errichtet. Die aktuelle Synagoge, außen ein bescheidenes Gebäude, innen aber reich verziert, setzt sich im Unterschied zu den anderen Synagogen von Djerba aus zwei bedeckten Sälen zusammen.

Eine Legende besagt, die Errichtung der Synagoge gehe auf die Flucht der Hohenpriester nach der Zerstörung des salomonischen Tempels durch die Babylonier unter Nebukadnezar II. im Jahre 586 v. Chr. zurück. Die Hohepriester sollen eine Tür und einen Stein des Altars des zerstörten Tempels mitgebracht haben. Heute können die Besucher einen Stein sehen, der in eines der Gewölbe der Synagoge eingegliedert wurde, und welcher der wiedergegebene Originalstein von Jerusalem sei.

Djerbahood

Djerbahood
Djerbahood

Seit dem Sommer 2014 gibt es im Dorf Erriadh neben der Synagoge Al Ghriba noch einer weitere Attraktion. Rund 150 Künstler aus der ganzen Welt haben die weißen Wände und Mauern der Häuser mit über 250 Kunstwerken versehen; aus dem verträumten, romantischen Ort namens Erriadh wurde: Djerbahood.

Djerbahood begreift sich als künstlerisches Abenteuer, dass der in Paris lebende Galerist Mehdi Ben Cheikh im Jahr 2014 als Beitrag zum politischen Dialog in der jungen tunesischen Demokratie initiiert hat und das vor allem junge, urbane Reisende nach Djerba locken soll. Die Dorfbewohner standen der Aktion erst argwöhnisch gegenüber, das Misstrauen schlug aber schnell in Begeisterung um und die Ortsansässigen halfen den Künstlern, wo sie nur konnten.

In Verbindung mit dem oben beschriebenen Besuch der Synagoge La Ghriba kann man hier viel entdecken und einen kurzweiligen Tag verbringen.

Topographische Karte Djerba
Topographische Karte Djerba

Quellen: Eigenes Erleben, Wikipedia in verschiedenen Spracheditionen, djerba-reiseinfo.detunesieninformationen.de

Fotos:
Eigene, sowie:
Übersichtskarte: Eric Gaba (translated by Jörg Schwerdtfeger)  CC BY-SA 3.0Link
Borj el Kebir Innenansicht: Thomas KeesCC BY-SA 3.0Link
Al-Ghriba Synagoge Deckenansicht: HegorCC BY-SA 3.0Link
Djerbahood: Rani777- Baha-Eddine MKD  CC BY-SA 4.0Lien
Guellela Museum: Hegor  CC BY-SA 3.0Lien