Bockshornklee, tunesisch Helba – jahrtausendealte Kultur-, Nutz-, Würz- und Heilpflanze

Der Bockshornklee ist eine jahrtausendealte Kultur-, Nutz-, Würz- und Heilpflanze und gehört zur Unterfamilie der Schmetterlingsblütler innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler. Im Nahen Osten, in Nordafrika und in Spanien wird Bockshornklee als Nahrungsmittel oder Futterpflanze angebaut und geröstet, gekocht oder frisch verzehrt. Darüber hinaus wird er als Gewürz verwendet. In Tunesien ist der Bockshornklee unter dem Namen „Helba“ bekannt.

Der Bockshornklee wächst als einjährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 30 bis zu 80 Zentimeter erreicht. Sie bildet eine lange Pfahlwurzel und faserige Seitenwurzeln aus. Da der Bockshornklee Standorte mit viel Sonnenlicht und eher lehmigem Boden bevorzugt und auch eine hohe Bodenversalzung und Trockenheit toleriert, ist der Mittelmeerraum der ideale Standort für diese Pflanze. Die aufrechten, runden Stängel sind verzweigt. Die Pflanze blüht im Frühjahr und ist an den 13 bis 18 mm langen Blütenkronblättern in cremefarbener bis hell gelblich-weißer Farbe zu erkennen. Der Blütenansatz ist hellviolett. Zu erkennen ist die Pflanze auch an einem verhältnismäßig strengen Geruch.

Bockshornklee mit Hülsen - Bild: Von Yak in der Wikipedia auf Deutsch, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=13810250
Bockshornklee mit Hülsen – Bild: Yak in der Wikipedia auf Deutsch, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=13810250

Der Ursprung des Bockshornklees ist der Mittlere Osten und der Mittelmeerraum. Mittlerweile ist die Pflanze über das südliche Europa, Afrika, den Nahen Osten, Indien, China und Australien verbreitet. Heutzutage kommt der Bockshornklee sogar bis ins südliche und mittlere Deutschland wild vor. Hauptanbaugebiete sind Marokko und Indien.

 Verwendung

Im Nahen Osten, in Nordafrika und in Spanien wird Bockshornklee als Futterpflanze angebaut oder als Gründünger untergepflügt; als Nahrungsmittel wird der Bockshornklee geröstet, gekocht oder frisch verzehrt. Darüber hinaus wird er als Gewürz verwendet.

In Tunesien und Libyen sind die Samen Bestandteil der typisch nordafrikanischen Bsisa, einer Mischung von gerösteten Getreidesorten, gemahlen mit Bockshornklee, Kichererbsen, Anis, Kümmel und Zucker. Jede Karawane der damaligen Zeit führte diese nährstoffreiche Speise mit, da sie leicht in Form von Pulver zu tragen und in Wasser oder Milch gerührt (Rowina) schnell zubereitet war. Eine Verwendung von Bsisa ist das Mischen mit Olivenöl zu einer Paste. Diese wird dann für eine schnelle, energiereiche und gesunde Mahlzeit typischerweise mit Datteln oder Feigen gegessen.

Samen des Bockshornklees

Geschichte

Der Bockshornklee wurde bereits in der Kupfersteinzeit (7000-5500 v. Chr.) domestiziert, verkohlte Samen wurden in Tell Halaf (Syyrien) gefunden. Ein eisenzeitlicher Nachweis gelang im Tell von Deir Alla im Jordantal. Er wurde auch im alten Ägypten verwendet, wo er sowohl in Pflanzenheilkunde und Geburtshilfe als auch in religiösen Handlungen eine Rolle spielte. Die Pflanze wird auch auf der Artenliste des Kräutergartens des babylonischen Königs Marduk-apla-iddina II. (regierte ab 721 v. Chr.) aufgeführt. Der Bockshornklee fand auch frühzeitig in der Gartenkunst im Kaiserreich China Verwendung.

Über die altgriechische und römische Medizin kam der Bockshornklee auch ins Abendland, wo er um 800 auch im Lorscher Arzneibuch zu finden ist. Nördlich der Alpen bemühten sich Benediktinermönche, ihn in den Klostergärten zu akklimatisieren. Im Capitulare de villis (verfasst etwa 795) wird sein Anbau von Karl dem Großen angeordnet. Hildegard von Bingen nennt ihn als Heilmittel gegen Hautkrankheiten. Von etwa 1200 bis zum 17. Jahrhundert wird die Pflanze mit ihren medizinische Anwendungen in vielfältigen Publikationen genannt, insbesondere auch als Haarwuchsmittel.

Der islamische Prophet Mohammed soll gesagt haben: „Wenn meine Leute wüssten, wie viel Heilkraft im Bockshornklee enthalten ist, dann würden sie ihn kaufen und sein Gewicht in Gold aufwiegen“. Im muslimischen Kulturkreis finden sich außer den oben genannten medizinischen Anwendungen viele weitere, unter anderem als Bockshornkleesprossen gegen Haarausfall bei Männern, den Samen zur Behandlung von Diabetes mellitus oder bei Menstruationsbeschwerden. Arabische Ärzte lehrten, dass sich nach einer Anwendung von abgekochten Bockshornkleesamen Schuppen und Haarausfall reduzieren und die Haare gelockter werden.

Kneipp lobte diese Heilpflanze bei jedem Anlass und setzte sich für ihren Anbau ein. Kneipp: „Foenum graecum ist das beste von allen mir bekannten Heilmitteln zum Auflösen von Geschwülsten und Geschwüren.“ Aus den Samen des Bockshornklees kann ein fettes Öl mit Triglyceriden der Linolen-, Palmitin-, Linol- und Ölsäure gewonnen werden. Sie enthalten Lecithin und Phytosterin, Schleimstoffe, Saponine und Sapogenine, die Vitamine A und D, Phosphor und Cholin, das angeblich einer Verfettung der Leber entgegenwirkt, den Stoffwechsel positiv beeinflussen und einer Arteriosklerose vorbeugen soll. Durch Pfarrer Kneipp wurde die Verwendung des Bockshornklees in der Volksheilkunde wieder neu belebt. Die starke Nachfrage löste neuerlichen Anbau aus.

Neuzeitliche Medizin

In einer Doppelblindstudie mit 50 Parkinsonpatienten konnte unter der Behandlung mit einem Bockshornkleeextrakt ein signifikanter Rückgang einzelner Symptome festgestellt werden. Die beteiligten Wissenschaftler vermuten, dass Bockshornklee möglicherweise die Schädigung dopaminerger Nervenzellen verzögern kann.

Bockshornklee enthält die Aminosäure Histidin, die angeblich Leberschädigungen entgegenwirken soll. Als Aufguss ist er vor allem in China, Indien und Tibet bekannt. Er wird dort als Hustenmittel und zur Reinigung der Atemwege eingesetzt. Zudem enthält er Diosgenin (s. a. Dioscorea villosa), ein Wirkstoff, der möglicherweise gegen Dickdarmkrebs eingesetzt werden kann. In Indien wird der Bockshornkleesamen als Aromatikum, Carminativum, Tonikum und Aphrodisiakum und ein Aufguss bei Pocken zur Kühlung eingesetzt.

Bockshornkleesamen werden in der Pflanzenheilkunde bei leichterem oder als Begleitmedikation auch bei schwererem Diabetes mellitus eingesetzt. Bockshornkleesamen sind als Teebeutel, als Pulver oder als fertige Auflagen erhältlich. Darüber hinaus gibt es im Handel Nahrungsergänzungsmittel mit Bockshornkleesamenpulver oder Bockshornkleesamenkonzentrat.

Titelbild: Yak, CC BY-SA 3.0, Link

Quellen: Mit Material von Wikipedia