Das Amphitheater von El Djem – UNESCO Weltkulturerbe

Die Arena von El Djem (auch El Jem), in der kargen Steppe Mitteltunesiens gelegen, war nach dem Kolosseum von Rom und dem römischen Amphitheater von Capua das drittgrößte Amphitheater des Römischen Reiches. Das mächtige Bauwerk liegt in der Stadt El Jem im heutigen Gouvernorat Mahdia, die auf den Ruinen der antiken Stadt Thysdrus gegründet wurde. Erreichbar ist El Jem über die Autobahn A1 mit einer Mautausfahrt, der Nationalstraße N1 (ehemals GP1) und der Straße C87. Die Stadt ist auch mit dem Zug erreichbar; der Bahnhof El Jem liegt direkt im Stadtzentrum an der Strecke Tunis – Sousse – Sfax.

Das im Jahr 1979 in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommene Theater hatte ein Fassungsvermögen von 35.000 Zuschauern. Es wurde 238 unter Proconsul Gordianus I. gebaut, jedoch nicht von den Römern, sondern von den reichen Einwohnern von El Djem. Verwendet wurden Steine aus den Steinbrüchen von Rejiche in der Nähe von Mahdia. Die Römer selbst hatten ein Amphitheater für nur 2.000 Personen errichtet, dessen Reste in El Djem noch zu sehen sind. Die durch die Olivenölproduktion reichen Einwohner El Djems wollten aber für alle Einwohner ein Amphitheater bauen und taten dies. Wahrscheinlich sollte es dazu dienen, Kämpfe von Gladiatoren, öffentliche Hinrichtungen und andere Zirkusspiele abzuhalten, wozu es aber nicht kam.

El Jem Innenansicht
El Jem Innenansicht

Bis 1695 war das Amphitheater vollkommen intakt. Das Amphitheater wurde dann nach dem Aufstand der Steuererhebung (Aufstieg der Mejba) gegen die Statthalter des osmanischen Reiches unter der Herrschaft von Mohamed Bey el Mouradi (Mouraditen-Dynastie) teilweise zerstört, weil sich die Einwohner von El Djem im Theater vor den Steuereintreibern verbarrikadierten. Man kann dort heute noch die Löwengruben und Gefangenenzellen sehen, die zum Teil aufwendig restauriert wurden.

Trotz einer weiteren Zerstörung durch die Nutzung als Steinbruch ist das Theater noch erstaunlich gut erhalten.

Konzertveranstaltung in El Jem
Konzertveranstaltung in El Jem

Noch heute wird es für Veranstaltungen wie das Internationale Festival für sinfonische Musik, das Festival El Jem World Music und seit neuestem das Festival „Thysdrus, Römische Tage von El Jem“ statt, die immer gut besucht sind.

Die Stadt El Jem

Die Stadt wurde unter dem phönizischen Namen Tzor gegründet, der gleichen Namensbedeutung wie die libanesische Stadt Tyrus (Tyros). In der römischen Zeit ab 46 v. Chr. wurde dieser Name in die lateinische Bezeichnung Thysdrus übersetzt. Zu Beginn des 8. Jahrhunderts fielen die Araber in das Land ein und nannten die Stadt Aljam in der Bedeutung von Festung oder Palast. Im tunesischen Dialekt wurde diese Bezeichnung zu El Jem.

Im Laufe des Afrikanischen Krieges wurde die Stadt 46 v. Chr. zur tributpflichtigen Garnisonsstadt für Caesars Truppen, die wegen der Armut der Bevölkerung den Tribut jedoch nicht aufbringen konnte. Zuvor war sie laut Plinius ein oppidum liberum, eine freie Gemeinde. Unter Kaiser Hadrian erlebte die Stadt aufgrund ihrer Ölproduktion einen bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwung. Der römische Kaiser Septimius Severus erhob die in der Provinz Africa, später in der Byzacena gelegene Stadt in den Rang eines Municipiums. Gordianus, der in Thysdrus als Prokonsul residierte, wurde auf Betreiben der dortigen Großgrundbesitzer zum Imperator ausgerufen und vom Römischen Senat bestätigt. Die daraufhin einsetzenden Auseinandersetzungen führten zum Tod seines Sohnes Gordianus II., Gordian selbst wählte den Freitod. Die Stadt wurde von loyalen Truppen des Maximinus Thrax zerstört und erholte sich nicht mehr.

Am Stadtrand präsentiert das archäologische Museum El Jem viele Mosaiken von Ausgrabungen in den römischen Villen von Thysdrus. Viele Fundstücke befinden sich auch im Nationalmuseum Bardo und im Archäologischen Museum von Sousse.