Die Ruinen der antiken Stadt Thugga (Dougga) – UNESCO Weltkulturerbe

Thugga (heute Dougga) war eine antike Stadt im heutigen Tunesien, deren Überreste heute zum Teil freigelegt sind und zu den besterhaltendsten in Nordafrika zählen. Ihre Blütezeit erlebte die Stadt als Teil der römischen Provinz Africa im 3. Jahrhundert n. Chr. Ihre Geschichte liefert jedoch auch Kenntnisse über die numidische, punische und byzantinische Zeit. Seit 1997 steht der Ort auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbe. Als Nachfolgesiedlung gilt das heute in unmittelbarer Nachbarschaft gelegene Dorf Dougga.

5. bis 6. Jahrhundert v. Chr.: Schon in der vorrömischen Zeit war die Stadt besiedelt, allerdings können bisher nur wenige sichere Aussagen getroffen werden, da zwischen den heute freigelegten Bauwerken der römischen Zeit nur wenige vorrömische Spuren erhalten sind, die Aufschluss über die frühe Stadtgeschichte geben. Bedeutend ist vor allem eine Nekropole mit Dolmengräbern im Norden der Stadt, die eine Gründung Thuggas vor dem 5. Jahrhundert bzw. 6. Jahrhundert v. Chr. nahelegt. Reste eines Baal-Heiligtums unter einem römischen Tempel, vermutlich der punischen Gottheit Baal-Hammon gewidmet, geben einen Hinweis auf eine karthagische Frühbesiedlung der Stadt.

Zwei prähistorische Skelettfunde, die auf etwa 1800–1500 v. Chr. datiert werden konnten, legen nahe, dass der Ort der Siedlung bereits weit zuvor eine wichtige Stätte darstellte, auch wenn eine Besiedlung in dieser Zeit unwahrscheinlich scheint und bisher keine weiteren Spuren dieser frühen Epoche nachgewiesen werden konnten. Als bedeutendes Dokument der vorrömischen Geschichte der Stadt zählt die Erwähnung Thuggas im 4. Jahrhundert v. Chr. in der antiken Literatur des griechischen Geschichtsschreibers Diodor, der im Zusammenhang mit dem Karthago-Feldzug des Griechen Agathokles von Syrakus im Jahr 307 v. Chr. eine Stadt namens Tokai erwähnt. Sehr wahrscheinlich entspricht die erwähnte Stadt dem antiken Thugga.

Karte von Dougga - Bild: Ewan ar Born - Image:Dougga.png by Jaumé Ollé i Casals, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4462322
Karte von Dougga – Bild: Ewan ar Born – Image:Dougga.png by Jaumé Ollé i Casals, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4462322

Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr.: Nach dem Zweiten Punischen Krieg zeichnete sich der Untergang des karthagischen Reiches ab, welches von den Römern aus dem Mittelmeerraum verdrängt und stark geschwächt auf nordafrikanisches Gebiet zurückgedrängt wurde. Der ostnumidische Herrscher Massinissa, zunächst Verbündeter Karthagos, schlug sich auf die Seite Roms und gründete das Königreich Numidien, das das Hinterland Karthagos und somit auch Thugga übernehmen konnte. Unter der numidischen Herrschaft Massinissas wurde die Stadt zur königlichen Residenz erweitert, aus dieser Zeit stammen auch weitere erhaltene Bauwerke. Dominierend ist dabei ein Pfeilergrabmal aus dem 2. Jahrhundert v. Chr., das bis heute das Stadtbild prägt und durch eine bilinguale Inschrift bekannt wurde, die in der Neuzeit zur Entzifferung der numidischen Schrift führte. Weiterhin wurden Reste eines Tempels gefunden, der 139 v. Chr. zu Ehren Massinissas gestiftet worden sein soll.

Karte Numidien und karthagisches Hinterland
Karte Numidien und karthagisches Hinterland

1. Jahrhundert v. Chr. – Römische Zeit und Niedergang: Nach der Niederlage der Numider während der Römischen Bürgerkriege wurde Thugga 46 v. Chr. schließlich römisch. Die Stadt war rechtlich zuerst abhängig von der römischen Kolonie Karthago. In dieser Zeit wies Thugga eine Doppelverfassung auf. Während die numidischen Einwohner Thuggas in einer civitas zusammengeschlossen waren, bildeten die römischen Bürger den pagus Thuggensis. Unter Septimius Severus wurde Thugga municipium und errichtete dem Kaiser aus Dankbarkeit einen Ehrenbogen. Im Jahr 261 n. Chr. wurde Thugga schließlich Kolonie. Auf ein spätantikes Bistum geht das Titularbistum Thugga der Katholischen Kirche zurück.

Nach einer Blütezeit im 3. Jahrhundert begann schon im 4. Jahrhundert ein stetiger Niedergang der Stadt, die wohl einen großen Teil ihrer Bedeutung an das benachbarte Thubursicum Bure (Teboursouk) abtrat. Von 439 bis 533 gehörte Thugga zum Reich der Vandalen und wurde anschließend byzantinisch. Unter Justinian I. wurde auf dem Forum von Thugga eine Festung errichtet, von der Prokop in seiner Schrift de aedificiis berichtet. In der Folgezeit verlor Thugga seine städtische Bedeutung ganz und lebte als arabisches Dorf fort, bis das Dorf um die Mitte des 20. Jahrhunderts umgesiedelt wurde, um archäologische Ausgrabungen zu ermöglichen. Heute wird das antike Thugga von Archäologen des tunesischen Denkmalamtes in Kooperation mit den Universitäten Bordeaux und Freiburg im Breisgau erforscht.

Sehenswürdigkeiten

Die Stadt war hinsichtlich der Wohnbezirke wie auch der Straßenführung ungleichmäßig aufgebaut. Steile Treppen und schmale Gassen machten sie eher für Fußgänger als für Wagen geeignet. Das Theater wurde 168 n. Chr. erbaut und gehört zu den am besten erhaltenen Bauwerken dieser Art in Nordafrika. Die sich auf eine Höhe von etwa 15 m erhebenden drei Ränge bilden einen Halbkreis von etwa 120 m Durchmesser. Die 19 Sitzreihen boten etwa 3500 Zuschauern Platz. Den oberen Abschluss bildete eine Galerie mit Säulenhalle (Portikus).

Theater Dougga
Theater Dougga

Die zentrale Anlage der Stadt ist von mehreren Heiligtümern und Plätzen umgeben. Im Norden erhebt sich der beherrschende Bau von Thugga, das Kapitol. Es wurde zwischen 166 und 169 n. Chr. nach dem Vorbild des kapitolinischen Tempels in Rom als Hauptheiligtum für die von den Gottheiten Jupiter Optimus Maximus, Juno Regina und Minerva gebildete Kapitolinische Trias erbaut.

Kapitol
Kapitol

Es besteht aus einer Cella mit prostyler Säulenhalle korinthischer Ordnung. In die Rückwand der Cella sind drei Nischen eingearbeitet, in denen die Statuen der drei Götter mit Jupiter im Zentrum standen.

Cella innerhalb des Kapitols
Cella innerhalb des Kapitols

Oberhalb des Alexander-Severus-Bogens aus den Jahren 226 bis 229 n. Chr. liegen die Ain el Hammam-Zisternen, fünf Gewölbe für etwa 6.000 m3 Wasser, die über einen 12 km langen Aquädukt mit dem Wasser einer westlich gelegenen Quelle versorgt wurden. Unterhalb der Zisternen befinden sich die Reste des Tempels der Juno Caelestis, einer romanisierten Form der punischen Göttin Tanit. Die halbkreisförmige Anlage – um 224 n. Chr. erbaut – ist von einem ehemals überdeckten Säulengang umgeben, der wohl als Prozessionsweg diente.

Die Mosaikfußböden zweier herrschaftlicher Villen sind erhalten und teilweise im Nationalmuseum von Bardo untergebracht. In besonders gutem Zustand sind die Licinius-Thermen aus dem 3. Jahrhundert. Sie wurden im 4. Jahrhundert umgebaut und zu Beginn des 20. Jahrhunderts restauriert.

Mosaikfußböden in Dougga
Mosaikfußböden in Dougga

Während eine megalithische Mauer, Dolmengräber und punische Grabstelen, darunter ein Turmmausoleum und das Pfeilergrabmal, aus dem 4. bis 2. vorchristlichen Jahrhundert stammen, sind neben weiteren Tempeln auch frühchristliche Kirchen (Victoria-Kirche im Norden) und eine frühbyzantinische Festung, allerdings schlecht, erhalten.

Öffnungszeiten:

  • Winter (16. September bis 16. Juni): 8.30 – 17.30 Uhr
  • Sommer (1. April bis 15. September): 8.00 – 19.00 Uhr
  • Ramadan: 8.00 – 17.00 Uhr

Ein kleiner Parkplatz befindet sich auf dem Gelände der Ausgrabungsstätte. Toiletten, eine kleine Boutique und auch ein Café mit einer von Bäumen überschatteten Terrasse sind vorhanden. Der Eintritt beträgt 7 Dinar.

Dougga Parkplatz
Dougga Parkplatz

Titelbild: Maurice Colyer – originally posted to Flickr as Dougga, CC BY 2.0, Link

Bilder: Eigene Arbeit

Quelle: Wikipedia