Der Olivenbaum, auch bekannt als Ölbaum – Nutzpflanze seit tausenden von Jahren

Der Olivenbaum (Olea europaea), auch bekannt unter dem Namen Ölbaum, ist ein mittelgroßer, im Alter oft knorriger Baum aus der Gattung der Ölbäume (Olea), die zur Familie der Ölbaumgewächse (Oleaceae) gehört. Er wird seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. als Nutzpflanze kultiviert. Tunesien hat dank seiner geografischen und historischen Lage, wo sich die verschiedensten Kulturen von Andalusien bis zum Nahen Osten getroffen und gehandelt haben, ein sehr reiches und diversifiziertes genetisches Erbe an Olivenbäumen erhalten.

Der Olivenbaum wächst in allen Gebieten um das Mittelmeer und zum Teil auch um das Schwarze Meer, d. h. in Gebieten, die keine extremen Klimabedingungen aufweisen, also bei Jahresmitteltemperaturen von 15 bis 20° C und Jahresniederschlägen von 500 bis 700 Liter/m2 am besten, mindestens sind 200 Liter/m2 nötig.Er kann hohe Hitze ertragen, leidet aber leicht durch Frost in kalten Wintern, wodurch nicht nur die Ernte einzelner Jahre, sondern der Bestand ganzer Plantagen bedroht ist. Er gilt als Charakterpflanze der mediterranen Pflanzenwelt und weist die Gebiete, in denen er gedeiht, als Gebiete mit mediterranem oder Mittelmeerklima aus.

Verbreitung des Olivenbaums - Grafik: Giovanni Caudullo - Caudullo, G., Welk, E., San-Miguel-Ayanz, J., 2017. Chorological maps for the main European woody species. Data in Brief 12, 662-666. DOI: 10.1016/j.dib.2017.05.007Data: https://doi.org/10.6084/m9.figshare.5110762References:Anthelme, F., Abdoulkader, A., Besnard, G., 2008. Distribution, shape and clonal growth of the rare endemic tree Olea europaea subsp. laperrinei (Oleaceae) in the Saharan mountains of Niger. Plant Ecology 198(1): 73-87.Babac, M. T., Uslu, E., Bakis, Y. TÜBİVES - Turkish Plants Data Service. Accessed in August 2016.Bohn, U., Gollub, G., Hettwer, C., Weber, H., Neuhäuslová, Z., Raus, T., Schlüter, H., 2000. Karte der natürlichen Vegetation Europas; Map of the Natural Vegetation of Europe. Landwirtschaftsverlag. ISBN 9783784338095Danin, A. Flora of Israel Online. Jerusalem Botanic Garden. Accessed in August 2016.GBIF.org, 2016. Banco de Datos de la Biodiversidad de la Comunitat Valenciana. DOI: 10.15468/dl.iru4gqGBIF.org, 2016. Cartografía de vegetación a escala de detalle 1:10.000 de la masa forestal de Andalucía. DOI: 10.15468/dl.v7k8vyGBIF.org, 2016. FloraCAT: Banco de datos de los cormófitos de Cataluña. DOI: 10.15468/dl.biuda7GBIF.org, 2016. Fundación Biodiversidad, Real Jardín Botánico (CSIC): Anthos. Sistema de Información de las plantas de España. DOI: 10.15468/dl.9uo7isGBIF.org, 2016. INPN - Données flore des CBN agrégées par la FCBN. DOI: 10.15468/dl.gkp7wmGBIF.org, 2016. Israel Nature and Parks Authority. DOI: 10.15468/dl.yaszkmGBIF.org, 2016. Karl Franzens University of Graz, Insitute for Botany - Herbarium GZU. DOI: 10.15468/dl.4ok78iGBIF.org, 2016. Sistema de Información de la vegetación Ibérica y Macaronésica. DOI: 10.15468/dl.m8zdd8Médail F., Quézel P., Besnard, G., Khadari, B. 2001. Systematics, ecology and phylogeographic significance of Olea europaea L. ssp. maroccana (Greuter & Burdet) P. Vargas et al., a relictual olive tree in south‐west Morocco. Botanical Journal of the Linnean Society 137(3): 249-266.Meusel, H., Jäger, E. J., Rauschert, S., Weinert, E. (Eds.), 1978. Vergleichende Chorologie der Zentraleuropäischen Flora, Band II. Gustav Fischer Verlag, Jena.Nikolić, T. (Ed.), 2015. Flora Croatica Database. Faculty of Science, University of Zagreb. Accessed in August 2016.Real Jardín Botánico, CSIC - Fundación Biodiversidad. Anthos - Information System of the plants of Spain. Accessed in August 2016.Sociedade Portuguesa de Botânica. Flora-On: Flora de Portugal interactiva. Accessed in August 2016.Tela Botanica. eFlore. Accessed in August 2016., CC-BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=51002606
Verbreitung des Olivenbaums – Grafik: Giovanni Caudullo – Caudullo, G., Welk, E., San-Miguel-Ayanz, J., 2017. CC-BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=51002606

Tunesien ist einer der größten Olivenölproduzenten außerhalb der Europäischen Union und blickt auf eine der ältesten Traditionen im Olivenanbau zurück, die nach eigenen Angaben bis ins 8. Jahrhundert vor Christus in die Zeit der Phönizier reicht. Die tunesische Sortenvielfalt beinhaltet 21 Olivensorten. (Siehe auch: Kennen Sie die Olivensorten Tunesiens?

Die bekanntesten Sorten in der tunesischen Olivenölproduktion sind die 

  • Chemlali: beheimatet in Südtunesien, zeichnet sich durch eine hohe Widerstandskraft und einen sehr geringen Wasserbedarf aus. Die kleine Chemlali trägt mit einem durchschnittlichen Gewicht von nur 1,2 g zu etwa 30 % der tunesischen Olivenölproduktion bei. Genetisch lässt sich Chemlali nach vier Regionen unterscheiden: Sfax, Zarzis, Djerba und Tataouine. Der Geschmack des Olivenöls reicht je nach Herkunft von sanft bis kräftig, hat jedoch immer ein leichtes Aroma nach grünen Mandeln.
  • Chetoui: zweithäufigste Sorte in Tunesien mit Hauptanbaugebiet im niederschlagsreicheren Norden. Die Chetoui wird 2,8 g schwer und ergibt ein fruchtiges Olivenöl mit dominanter Bitterkeit.
  • Weitere Olivensorten, die zur Olivenölproduktion beitragen, sind Zalmati, Zarrazi, Chemchali, Oueslati, El Horr, Gerboui, Toffehi, Fakhari, Jemri.

Sorten für Tischoliven: Meski und Besbessi werden primär im Norden Tunesiens angebaut, während Tounsi eher im Süden zwischen Chemlali wachsen. Sie erreichen ein Gewicht zwischen 7 und 10 g.

Karte Olivensorten Tunesien – (TRIGUI, A. et MSALLEM M. (2002): «Catalogue des variétés Autochtones et types locaux». IRESA. N°132, pp. 159-176.)
Karte Olivensorten Tunesien – (TRIGUI, A. et MSALLEM M. (2002): «Catalogue des variétés Autochtones et types locaux». IRESA. N°132, pp. 159-176.)

Der Olivenbaum
Der Olivenbaum wächst als reich verzweigter, immergrüner Baum oder Strauch und erreicht (je nach Sorte) Wuchshöhen von 10 bis zu 20 Meter, wobei wilde Olivenbäume kleiner als die Züchtungen sind. Olivenbäume in Olivenhainen werden zur besseren Ernte beschnitten, damit sie kleiner bleiben. Der Olivenbaum benötigt viel Zeit zum Wachsen, kann jedoch mehrere hundert Jahre alt werden, was sich im Alter bei der Rinde zeigt, die zu einer rissigen Borke wird. Bäume, die auf lockerem Boden stehen, können eine Wurzel bilden, die bis zu sieben Meter tief geht, bei Oliven auf festem Nährboden, entwickeln sich die Wurzeln eher flach und bilden ein verzweigtes Netzwerk um den Stamm herum.

Blatt und Blüten
Der Olivenbaum ist eine immergrüne Pflanze, das heißt, er verliert zu keiner Jahreszeit all sein Laub, sondern mehrere Jahre alte Blätter werden jahreszeitunabhängig abgeworfen. Die Blätter sind ellipsen- oder lanzettenförmig, etwa 1,5 bis 10 cm lang und laufen spitz nach vorne zu. Abhängig vom Verbreitungsgebiet blühen Olivenbäume von Ende April bis Anfang Juni. An 2 bis 4 cm langen, rispigen Blütenständen stehen zwischen 10 und 40 Blüten. Die meisten Sorten sind selbstbefruchtend, wobei Fremdbestäubung meist den Ertrag steigert. Einige Sorten sind jedoch auf Fremdbestäubung angewiesen und brauchen ein genetisch verschiedenes Exemplar zur Bestäubung. Die Blüte wird über den Wind bestäubt. Stress durch Trockenheit oder Nährstoffmangel etwa sechs Wochen vor der Blüte verringert aufgrund der verminderten Blütenzahl den Ertrag. 

Olivenblüte am 30. April 2019 in Akouda, Gouvernorat Sousse
Olivenblüte am 30. April 2019 in Akouda, Gouvernorat Sousse

Die Olive, eine mediterrane Steinfrucht
Nach der Bestäubung wächst eine einsamige Steinfrucht, die Olive, heran. Diese ellipsoide bis fast kugelige Steinfrucht weist eine Länge von 0,7 bis 4 cm und einen Durchmesser von 1 bis 2 cm auf. Der harte „Kern“, der Samen, ist von weichem Fruchtfleisch umgeben, dass aber wegen seiner Bitterkeit roh nicht genießbar ist. Erst nach dem mehrmaligem Einlegen in Wasser, bei dem die Bitterstoffe ausgeschwemmt werden, wird die Olive essbar. Allerdings werden 90 % der Oliven zu Olivenöl gepresst. Der Olivenbaum zeigt, wie andere fruchtende Bäume auch, das Phänomen der Alternanz; sein Fruchtertrag schwankt also in zweijährigem Rhythmus.
Die Farbe der unreifen Oliven ist grün, die der reifen schwarz oder violett/braun. Am ertragreichsten ist ein Olivenbaum nach etwa 20 Jahren. Echte Schwarze Oliven sind voll ausgereifte grüne (olivgrüne) Oliven. Oft werden jedoch grüne, mit Eisengluconat schwarz gefärbte Oliven verkauft. Die Olivenkerne werden durch Vögel verbreitet, die die Früchte fressen. Olivenbäume in Kultur werden allerdings meist über Stecklinge vermehrt. 

Symbolfoto: Olive am Baum
Symbolfoto: Olive am Baum

Älteste Bäume des Mittelmeerraums
Beim Alter der Olivenbäume des Mittelmeerraums streiten sich die Geister. Jede Nation mit Olivenbaumkulturen will den ältesten Baum haben. Das angeblich älteste bekannte Exemplar in Vouves auf Kreta (Griechenland) wird auf 4.000 Jahre geschätzt. Da das Innere des Baumes zur genaueren Bestimmung fehlt, geht man von mindestens 2.000 Jahren aus. Weitere sehr alte Olivenbäume befinden sich in Spanien: ein Exemplar in Tarragona ist über 1.700 Jahre alt, ein weiterer 1.200 Jahre alter Baum steht in Castellón. Tunesiens ältester und größter Baum soll in der Region Douiret im Gouvernorat Tataouine stehen. Dieser Baum heißt „Zitounet el Akarit”, der sich auf die Familie Akkari bezieht, auf deren Grund der Baum steht. Dieser riesige Olivenbaum, dessen Stamm einen Umfang von etwa 116 cm aufweist, soll etwa 900 Jahre alt sein und eine Fläche von 2.000 Quadratmeter bedecken. Im Jahr 1996 soll der Baum noch einen Ertrag von rund 1.520 Litern Olivenöl erbracht haben.

Olivenbaum Zitounet el Akarit, der angeblich älteste und größte Olivenbaum Tunesiens

Quelle(n): Verschiedene, mit Material von Wikipedia, Realités, Huffington Post, Webdo