Finanzierte Karthago die Punischen Kriege und Reparationen an Rom durch Silberbergbau?

Einer wissenschaftlichen Studie zufolge konnte das karthagische Reich während der drei Punischen Kriege durch den Blei- und Silberbergbau lange Zeit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch widerstehen. Dies schließen die Wissenschaftler aus den Bleiablagerungen an der Mündung des Flusses Medjerda, der südlich des Lac Ghar el Melh im Nordosten Tunesiens in das Mittelmeer fließt. Die Forscher um das Team von Hugo Delile von der Universität Lyon hatten die Bleiwerte im Mündungsbereich untersucht und daraus Rückschlüsse auf die historischen Zusammenhänge gezogen.

Der Fluss Medjerda in Tunesien - Karte: Par Bourrichon - fr:Discussion Utilisateur:Bourrichon — Travail personnelData sources:Background map: data from NASA Shuttle Radar Topography Mission (SRTM3 v.2 & SWDB) (public domain)Locator map made from File:Mediterranean.svg created by STyx (Public domain) ; compass rose from File:Brosen windrose-fr.svg created by Delhovlyn and Mitrane under GFDL ; scale from Image:Scale_kilometres_miles_svg.svg by Sémhur under GFDL & CC-BY-SA-3.0Others :[1] : pp. 3 (détail du bassin amont), 26 (délégations avales) et 47 (délégations amont)[2] : pp. 2 (localisation régionale) et 5 (détail du bassin aval)[3] : p. 2 (vue générale du bassin)Softwares used:NASA datas edited with Global Mapper 9 (limited version) by the United States Geological Survey (USGS)Vectorized with InkscapeOthers:equirectangular map projectionWGS84 geodetic systemShaded relief (ligth direction) : altitude 80°, azimuth 315°Fonts: Times New Roman for capes and dams, Arial for others., CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6563621
Der Fluss Medjerda in Tunesien – Karte: Bourrichon – Travail personnel, CC BY-SA 3.0 – https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6563621

Als Punische Kriege bezeichnet man eine Serie von drei Kriegen der Antike (264 bis 146 v. Chr.) zwischen der See- und Handelsmacht Karthago und dem jungen Römischen Reich um die Vorherrschaft im Mittelmeer, aus denen das Römische Reich siegreich hervorging. Die Karthager, von den Römern Punier genannt, hielten zu Anfang der Konflikte Küstenbereiche in Nordafrika, Teile von Andalusien sowie zahlreiche Inseln im Mittelmeer. Über die Finanzierung des Krieges seitens Karthago war bisher nur wenig bekannt.

Insgesamt wurden nahe der antiken punischen Stadt Utica acht Bohrkerne aus den Sedimenten des Medjerda entnommen und ausgewertet. 146 Proben wurden analysiert, von denen 77 nur einen geringen Bleigehalt natürlichen Ursprungs aufwiesen. Die restlichen Proben zeigten allerdings einen um bis zu zwanzigfach erhöhten Bleiwert. Das am häufigsten vorkommende Silbererz ist Galenit, ein Bleisulfid, weswegen vielfach Silberminen auch Bleiminen sind. Unterscheiden konnte man in den Bohrkernen insgesamt vier Phasen der Metallgewinnung.

Die Mächte im Mittelmeer zu Zeiten der Punischen Kriege - Bild: Von Bourrichon - Travail personnel à partir de File:Carthaginianempire.PNG (by Javierfv1212) et sur les indications de fr:Utilisateur:Zivax., CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index
Die Mächte im Mittelmeer zu Zeiten der Punischen Kriege – Bild: Von Bourrichon – Travail personnel à partir de File:Carthaginianempire.PNG (by Javierfv1212) et sur les indications de fr:Utilisateur:Zivax., CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6513418

Demnach begann die erste Phase des Bergbaus schon um 340 v. Chr., noch während der Griechisch-Punischen Kriege um Sizilien und Syrakus, die bis 307 v. Chr. dauerten. Auffällig ist, dass zu dieser Zeit auch die ersten Prägungen punischer Münzen in Karthago erfolgten. 

Gut zehn Jahre (um 275 v. Chr.) vor Beginn des ersten Punischen Krieges (264 bis 241 v. Chr.) ist eine zweite Bergbauphase zu erkennen. Sie dauert rund 95 Jahre bis zum Jahr 180 v. Chr. und somit bis über das Ende des zweiten Punischen Krieges (218 bis 201 v. Chr.) an. Mit dem Ende des ersten punischen Krieges hatte Karthago Reparationszahlungen an Rom von etwa 96 Tonnen Silber zu leisten, von denen man annahm, dass sie aus den Minen in Andalusien im heutigen Spanien stammten. Nun nehmen die Forscher an, dass auch die tunesischen Minen zur Zahlung der Kriegsschuld beitrugen, da Karthago während der ersten beiden Punischen Kriege schon seine Silberquellen in Sardinien und Sizilien (241 v. Chr.), sowie Spanien (201 v. Chr.) verloren hatte. Nach dem zweiten Punischen Krieg musste Karthago zusätzliche 375 Tonnen Silber Reparation an Rom zahlen.

In der dritten, an den Bohrkernen ablesbaren, Bergbauphase, die von 180 bis 95 v. Chr. dauerte, verrät die Analyse anhand der Isotopen-Zusammensetzung der Ablagerungen die Ausbeutung anderer Galenitvorkommen in der Gegend, wahrscheinlich aufgrund der Erschöpfung der älteren Lagerstätten. Nicht alle davon lagen im Einzugsgebiet des Medjerda. 

Trotzdem schaffte es Karthago, dem dem wirtschaftlichen Druck standzuhalten. Aufgrund der erheblichen Diskrepanz zwischen dem Geldbedarf Karthagos und den verfügbaren Metallressourcen war Karthago gezwungen, auch Metallvorkommen im Hinterland auszubeuten. Trotz der zuvor verlorenen Kriege und der Reparationszahlungen war Karthago immer noch sehr wohlhabend, was Rom ein Dorn im Auge war. Möglicherweise, so vermuten die Forscher, seien der immer noch bestehende Wohlstand Karthagos durch seine Bergwerke ein Grund für Rom gewesen, im dritten Punischen Krieg von 149 bis 146 v. Chr. Karthago endgültig zu eliminieren und die Metallressourcen selbst abzubauen.

Der Rest ist Geschichte: Der Krieg endete 146 v. Chr. mit der Zerstörung der Stadt Karthago, das Gebiet wurde eine römische Provinz namens Africa. Die Stadt Karthago wurde etwa ein Jahrhundert später unter Gaius Julius Caesar neu gegründet und erlebte in den folgenden Jahrhunderten als Teil des Imperium Romanum eine erneute Blüte, die bis zum Ende der Antike anhielt.

Titelbild: Lac Ghar El Melh, Mündungsbereich des Medjerda: Von Citizen59Travail personnel, CC BY-SA 3.0, Lien

Quellen: Mit Material von Tagesspiegel, wissenschaft.de, Wikipedia dt., Wikipedia fr.