Biographie von Hamma Hammami – Präsidentschaftskandidat – Liste 8

Hamma Hammami wurde am 8. Januar 1952 in El Aroussa geboren. Politisch gehört er zum äußersten linken kommunistischen Spektrum. Er ist Führer der Front Populaire und Generalsekretär der Tunesischen Arbeiterpartei (ex PCOT). Wegen seiner starken Oppositionshaltung und seinem Aktivismus gegen die früheren Präsidenten Bourguiba und Ben Ali wurde er verhaftet und gefoltert. Bei der Präsidentschaftswahl 2014 belegte er den dritten Platz. Er ist einer der Kandidaten zur vorgezogenen Präsidentschaftswahl am 15. September 2019 und tritt mit der Listennummer 8 an.

Kurzbiographie

Geburt: 8. Januar 1952 in El Aroussa

Religion: keine Angabe

Nationalität(en): Tunesisch

Parteizugehörigkeiten

  • bis 1975: El Amal Ettounsi (Vorgängerpartei zu Parti communiste des ouvriers de Tunisie (PCOT) und Parti démocrate progressiste (PDP))
  • 1986 – 2012: Kommunistische Partei der Arbeiter in Tunesien (Parti communiste des ouvriers de Tunisie, PCOT)
  • Seit 2012: Arbeiterpartei (Parti des travailleurs)
  • Seit 2012: Front Populaire

Ausbildung & Beruf

  • Studium der arabischen Literatur, wegen seiner politischen Aktivitäten hat er nie gelehrt

Politische Meilensteine

  • 5. Februar 1972: Teilnahme an der Studentenrevolte (schwarzer Samstag) gegen das Ein-Parteien-Regime Habib Bourguibas (Sozialistische Partei Destour (PSD)). Hammami wurde festgenommen und zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt.
  • 5. August 1974: Verurteilung zu achteinhalb Jahren Haft wegen Zugehörigkeit zu der verbotenen Partei El Amal Ettounsi
    1980: Vorzeitige Entlassung unter Mitwirkung von Amnesty International. Wegen der physischen Folgen von Folter wird er auf Staatskosten nach Frankreich zur medizinischen Behandlung geschickt.
  • 1987: Hammami, noch in Pariser Exil, wird in Abwesenheit zu 18 Monaten Gefängnis für seine Tätigkeiten bei der kommunistischen Arbeiterpartei (PCOT) verurteilt, deren Gründungsmitglied er ist
  • 1989-1991: Mehrere Verhaftungen nach der Machtübernahme durch Ben Ali
  • 1991: Die Parteizeitung El-Badil, deren Herausgeber er ist, wird nach dem Verbot diverser Einzelausgaben ganz verboten.
  • 1991-1992: Mehrere aufeinanderfolgende Verhaftungen und Prozesse, in denen er zu insgesamt zweieinhalb Jahren Haft und 7.000 Dinar Geldstrafe wegen seiner Artikel in der Zeitung Al Badil wegen Störung der öffentliche Ordnung und Verbreitung falscher Informationen verurteilt wurde
  • Herbst 1992: Er taucht in den Untergrund ab
  • 15. Dezember 1992: Er wird mit elf Mitaktivisten in Abwesenheit von einem Gericht in Gabes zu vier Jahren und neun Monaten Gefängnis für seine Aktivitäten in der PCOT, sowie für die Organisation von Meetings, Verteilung verbotener Flugblätter und Geld sammeln ohne Genehmigung verurteilt
  • 14. Februar 1994: Verhaftung in Sousse mit nachfolgender schwerer Folter im Polizeipräsidium von Sousse und nachfolgend im Innenministerium in Tunis. Er wurde gegen Körper und den Kopf geschlagen mit nachfolgender Bewusstlosigkeit, vergewaltigt und mit dem Tode bedroht. Medizinische Hilfe erhält er erst drei Wochen später. Unter den Folgen der Folter leidet er noch heute.
  • 7. April 1994: Verurteilung zu vier Jahren und einem Monat Gefängnis verurteilt; desweiteren zu fünf Jahren und sechs Monaten wegen des Besitzes eines gefälschten Ausweises und der Verletzung zweier Polizisten. In Berufungsverhandlungen wurde die Strafe auf insgesamt acht Jahre und sieben Monate verkürzt
  • 6. November 1995: Frühzeitige Haftentlassung nach einem Jahr und einem Monat
  • 14. Januar 1998: Erneute Festnahme. In Anwesenheit seiner neunjährigen Tochter Oussaima wird er auf der Polizeistation verhört und ohne Anklage freigelassen
  • 27. Februar 1998: Nach Streiks und Demonstrationen linker Studenten gegen die Studienbedingungen an den Hochschulen geht Hammami erneut in den Untergrund
  • April 1998: Seine Tochter Oussaima wird von ihrem Lehrer über Kontakte zu ihrem Vater befragt
  • 6. Juni 1998: Polizisten in Zivil, die das Haus Hammami überwachen, versuchen eine Entführung Oussaimas
  • März 1999: Hammamis Tochter Nadia wird auf dem Weg zur Schule von zwei Polizisten zu Fuß eingeschüchtert
  • 14. Juli 1999: Verurteilung in Abwesenheit zu neun Jahren und drei Monaten Gefängnis. Ein Dutzend Polizei sind ab diesem Zeitpunkt für die Überwachung seiner Frau und den Kindern verantwortlich
  • Oktober 1999: Tochter Nadia weigert sich in der Schule, ein Lied für Ben Ali zu singen und wird fortan auf ihrem Schulweg von drei Männern verfolgt. Daraufhin begleiten ihre Klassenkameraden sie auf ihrem Heimweg.
  • 2000: Trotz seines Lebens im Untergrund wird Hammami von Taoufik Ben Brik interviewt. Das Interview wird in der Zeitung L’Humanité unter dem Titel „Ihr werdet meine Stimme hören“ veröffentlicht
  • 28. Juni 2000: Hammamis Tochter Nadia tritt im Alter von 17 Jahren in den Hungerstreik, damit die Anklagen gegen ihren Vater fallengelassen werden.
  • 5. August 2001: TV-Interview über den Sender Al Mustaquilla mit Sitz in London
  • 15. Januar 2002: Er kündigt an, sich einem Richter zu stellen
  • 2. Februar 2002: Verkürzung der ausstehenden Strafen auf zwei Jahre und drei Monate Gefängnis, „Bewährung aus gesundheitlichen Gründen“
  • 17. Juli 2002: Tochter Nadia organisiert eine Demonstration in Paris zur Unterstützung ihrer Mutter, die sich im 22. Tag eines Hungerstreiks zur Durchsetzung der Freilassung ihres Mannes Hamma befindet.
  • 4. September 2002: Haftentlassung aus gesundheitlichen Gründen wegen Nierenkoliken, hohen Blutdrucks, Kopfschmerzen und Sehstörungen
    September 2009: Nach mehreren kritischen Interviews in Frankreich zu den bevorstehenden Wahlen im Oktober 2009 wird Hammami am Flughafen Tunis bei der Einreise von mehreren Polizisten zusammengeschlagen, er erleidet Prellungen am Körper und Gesichtsverletzungen.
  • 11. Januar 2011: Hammami plädiert in eine Rede für den Weggang von Ben Ali, Auflösung des gegenwärtigen Regimes und aller Marionetteninstitutionen und der Bildung Nationalen Übergangsregierung zur Organisation freier und fairer Wahlen
  • 12. Januar 2011: Verhaftung durch die politische Polizei in seinem Haus
  • 15. Januar 2011: Haftentlassung durch die neue Interimsregierung von Fouad Mebazaa.
  • 23. November 2014: Als Kandidat der Tunesischen Volksfront (Front Populaire) bestreitet Hammami die Präsidentschaftswahl 2014 und erreicht im ersten Wahlgang 7,82 %, verpasste jedoch als Drittplatzierter hinter Beji Caid Essebsi und dem Amtsinhaber Moncef Marzouki den Einzug in die Stichwahl.
  • 4. Mai 2016: Einstimmige Wiederwahl zum Sprecher der Volksfront
  • 23. Dezember 2018: Wiederwahl zum Generalsekretär der Arbeiterpartei am Ende des Fünften Parteitages
  • März 2019: Seine Partei schlägt Hammami als Kandidaten bei den Präsidentschaftswahlen vor
  • 7. August 2019: Einreichung der Kandidatur zur Präsidentschaftswahl
  • 14. August 2019: Der eingereichte Antrag zur Kandidatur wird von der ISIE genehmigt. Hamma Hammami tritt auf der Liste 8 an

Privatleben

  • Hamma Hammami heiratete 1981 Radhia Nasraoui, geboren 1953 in Tunis. Sie ist Anwältin, spezialisiert auf die Menschenrechte und selbst Aktivistin. Sie haben zusammen drei Töchter, Nadia, Oussaïma and Sarah.
  • Hamma Hammami ist aktiver Sportler bei seinem Verein Club Africain.

Titelbild: Hamma Hammami (Facebook)

Quelle(n): Verschiedene Medien (wikipedia.fr, wikipedia.com, Amnesty International, webmanagercenter.com)