Wiener Archäologen erkunden die weitgehend unerforschte Stadt Abthugnos im Gouvernorat Zaghouan

Forscher/innen des Österreichischen Archäologischen Instituts der Österreichischen Akademie der Wissenschaften starten ein neues Projekt in Tunesien. Gemeinsam mit tunesischen Kolleg/innen des Nationalen Instituts für Kulturerbe (INP) untersuchen sie die bisher kaum erforschte römische Kleinstadt Abthugnos beim heutigen Suwar (Henchir Es-Souar) in Tunesien im Hinterland von Karthago. Ziel ist es, die Stadtanlage, deren Funktion und Bedeutung besser zu verstehen.

Im Landesinneren von Tunesien am Rand eines Gebirges inmitten fruchtbarer landwirtschaftlicher Nutzflächen und Olivenhaine arbeitet ein Team von Archäolog/innen, einem Vermesser und einer Architektin des Österreichischen Archäologischen Instituts (ÖAI) in den Ruinen der antiken Stadt Abthugnos. Begleitet werden sie von tunesischen Kollegen der Denkmalschutzbehörde L‘Institut National Du Patrimoine de Tunisie. An der Oberfläche zeichnen sich die gut erhaltenen Reste des römischen Stadtzentrums ab. Es handelt sich um einen großen Platz (Forum) aus dem 2. Jh. n. Chr., der unter anderem von einem Tempel und einer Markt- und Gerichtshalle (Basilika) umgeben ist.

Forum von Abthugnos. Blick nach Südosten auf die Markt- und Gerichtshalle (Basilika) (Foto: ÖAW-ÖAI/G. Styhler-Aydın)
Forum von Abthugnos. Blick nach Südosten auf die Markt- und Gerichtshalle (Basilika) (Foto: ÖAW-ÖAI/G. Styhler-Aydın)

Stadtbild, Funktion und Bedeutung von Abthugnos
Doch wie fügt sich der zentrale Platz in das übrige Stadtbild von Abthugnos ein? Welche Funktionen erfüllte die Stadt? Wie fand die Versorgung statt? Wer waren ihre Einwohner und in welcher Beziehung standen sie zur nahen Großstadt Karthago?

All das sind Fragen, auf die das interdisziplinäre Team in den nächsten drei Jahren Antworten finden möchte. Für die Erstellung der notwendigen Datengrundlagen, wie Stadtplan und Grundrisse der Gebäude, bedient man sich modernster Dokumentationsmethoden. In diesem Frühjahr wurde dazu das komplette Stadtzentrum mithilfe eines 3D-Laserscanners erstmals seit seiner Freilegung dokumentiert.
Weitere Untersuchungen, wie eine Drohnenbefliegung, werden folgen. Bis 2020 wird das Team detaillierte Untersuchungen an der Bausubstanz der Monumente durchführen, die unterschiedlichen Bauphasen identifizieren und umfassende Pläne und 3D-Rekonstruktionen erstellen.
Durch die Analyse der bisher entdeckten Funde und Befunde und Vergleiche mit anderen Städten im ländlichen Raum aus dieser Zeit wird es möglich sein, mehr über die Ausdehnung und die Funktionen der antiken Stadtanlage sowie ihre Bedeutung in der Region herauszufinden. Unterstützt wird das ÖAI-Team bei seinen Arbeiten vor Ort durch die österreichische Botschaft in Tunesien.

Abthugnos. Straße mit Toranlage zum Forum (Foto: ÖAW-ÖAI/G. Styhler-Aydın)
Abthugnos. Straße mit Toranlage zum Forum (Foto: ÖAW-ÖAI/G. Styhler-Aydın)

Kleinstadt im Grenzland

In der Antike verlief in der Nähe von Abthugnos die Grenze zwischen der 146 v. Chr. neu eingerichteten römischen Provinz Africa und dem Königreich Numidien. Unter Kaiser Hadrian wurde Abthugnos municipium (Landstadt), später war es auch Bischofssitz.

Titelbild: Forum von Abthugnos. Blick nach Nordwesten auf den Tempel (Foto: ÖAW-ÖAI/G. Styhler-Aydın) 

Quelle: Pressemeldung Österreichische Akademie der Wissenschaften