ORF 2: „Orientierung“ – Mutiger Weg? Tunesien, der Koran und ein neues Erbschaftsrecht

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Datum/Zeit
Date(s) - 21/07/2019
12:20 - 13:00

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In Tunesien nahm vor etwas mehr als acht Jahren der sogenannte Arabische Frühling seinen Ausgang, der danach in Libyen und Ägypten und vor allem in Syrien in Gewalt und Terror erstickte. Einzig Tunesien hält am Weg einer Demokratisierung fest, auch wenn Arbeitslosigkeit, vor allem unter Jugendlichen, und gelegentlich aufflammender Terror die Stabilität bedrohen.

Beachtenswert sind jedoch die Fortschritte, die Tunesien in der Festigung demokratischer Rechte macht. In den vergangenen Monaten wurden Gesetze erlassen, nach denen Homosexualität nicht weiter unter Strafe stehen soll, Vergewaltigung verfolgt wird und wonach muslimische Frauen auch nicht-muslimische Männer heiraten dürfen. In einigen neuen Gesetzen steht das zivile Recht vor dem islamischen Recht, der Scharia.

Aber das religiös begründete Recht ist in sich nicht immer stimmig, meinen Islamwissenschafter in Tunis. Sie arbeiten daran, dass der Koran kritisch als historischer Text eingeordnet und nicht als Gottes Wort „pur“ gelesen wird. Weitere Fortschritte will jetzt auch der mittlerweile 92-jährige tunesische Präsident Essebsi mit einer bereits verabschiedeten Reform des Erbrechts in Gang setzen. Doch es gibt viel Widerstand gegen das Reformvorhaben.
Bericht: Detlef Urban.

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Biker Gottes: Indische Priester auf Motorrädern
Am Sonntag, dem 21. Juli 2019, begeht die österreichische MIVA den Höhepunkt ihrer diesjährigen „ChristophorusAktion“, bei der vor allem Autofahrerinnen und Autofahrer gebeten werden, „einen ‚ZehntelCent‘ pro unfallfreiem Kilometer“ für die Finanzierung eines MIVA-Autos zu spenden. Am „ChristophorusSonntag“ wird auch in katholischen Kirchen gesammelt; nach den Gottesdiensten werden in einigen Pfarren Fahrzeugsegnungen angeboten. Die österreichische MIVA mit Sitz im oberösterreichischen Stadl-Paura ist ein katholisches Hilfswerk, das es sich zum Ziel gesetzt hat, Missionare, Pfarren, Ordensgemeinschaften und kirchliche Einrichtungen, aber auch medizinische und soziale Initiativen in Entwicklungsländern mit Fahrzeugen auszustatten. In vielen Weltgegenden sind die MIVA-Autos – in der Regel robuste Geländewagen – bekannt und präsent. Aber die MIVA sammelt nicht nur für die Anschaffung von Autos. In der südindischen Diözese Kottar (Bundesstaat Tamil Nadu) zum Beispiel sind einige Priester auf MIVA-Motorrädern unterwegs. Weitere Zweiräder sollen aus dem Erlös der diesjährigen ChristophorusAktion finanziert werden.
Bericht: Christian Rathner.

Gespaltene Gesellschaft? Sommerakademie Kremsmünster fragt nach
Angesichts der Klimakrise, sozialen Spannungen und polarisierenden politischen Bewegungen können Zukunftsängste zunehmen, so die Diagnose von Expertinnen und Experten bei der diesjährigen Ökumenischen Sommerakademie im Stift Kremsmünster in Oberösterreich. Im Interview mit der „Orientierung“ sprechen die Direktorin der evangelischen Diakonie, Maria Katharina Moser, der Leiter der Abteilung Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen, Sebastian Pittl, und Gerd Theißen, emeritierter Professor für Neues Testament am Fachbereich Evangelische Theologie der Universität Heidelberg, über Anforderungen und Chancen angesichts unterschiedlicher Positionen. Als Gefahr bezeichnet Pittl Politiker, die als „neonationalistische Akteure“ agieren und auf religiöse Symbole und Narrative zurückgreifen. Namentlich nennt er US-Präsident Donald Trump, den brasilianischen Staatschef Jair Bolsonaro und den Ministerpräsidenten von Ungarn, Viktor Orban. „Spaltung passiert immer dort, wo es keine Beziehung gibt“, so Diakonie-Direktorin Moser. Einen besonders optimistischen Blick auf die Debatte hat der evangelische Theologe Gerd Theißen: Viele Konflikte hätten letztlich Fortschritt gebracht. Er plädiert für eine „gute Kultur der Auseinandersetzung“, denn „wir müssen Konflikte akzeptieren, um Spaltung zu verhindern.“ Die Ökumenische Sommerakademie fand heuer bereits zum 21. Mal statt.
Bericht: Sandra Szabo.

Provokanter Untertan: Der Katholik und Freimaurer Leopold Mozart
An das Jahr 1719 und die Geburt Leopold Mozarts vor 300 Jahren wird heuer im Rahmen einiger Veranstaltungen erinnert – und damit auch an den Vater des vielleicht berühmtesten Sohns der Musikgeschichte. Doch Leopold war nicht nur der biologische Vater von Wolfgang Amadé – als Erzieher, Förderer seiner berühmten Kinder Maria Anna („Nannerl“) und Wolfgang Amadé hatte er bestimmenden Anteil am späteren Erfolg seines Sohns. Ausgebildet bei den Jesuiten in der süddeutschen Stadt Augsburg kam Leopold Mozart als „Arbeitsmigrant“ ins damalige Fürsterzbistum Salzburg. Um seinen Sohn zu fördern, war Vize-Hofkapellmeister Leopold Mozart sogar bereit, einen Konflikt mit Fürsterzbischof Hieronymus Colloredo zu riskieren. Seinen katholischen Glauben nahm Leopold Mozart sehr ernst: Auch auf Reisen versuchte er stets, die strengen Fastengebote zu halten. Vater Mozart war darüber hinaus ein eifriger Briefschreiber: Auf Konzertreise durch Europa mit seinen Kindern berichtete er Freunden in Salzburg über andere Religionen. Und Leopold Mozart darf auch als Freigeist gelten: 1785 trat er in Wien einer Freimaurerloge bei. Die „Orientierung“ zeigt selten gespielte geistliche Lieder sowie Originalbriefe aus dem Fundus der Internationalen Stiftung Mozarteum. Im Interview: zwei Wissenschafter, die auch die derzeit im ehemaligen Mozart-Wohnhaus am Salzburger Makartplatz gezeigte Ausstellung über Leopold Mozart mitgestaltet haben.
Bericht: Klaus Ther.