Ben Ali – Der ewige Präsident spielt den Islamisten in die Hände (2008)

Relativer Wohlstand, moderne Frauenrechte, ein funktionierendes Schulsystem: Afrikas nördlichster Staat könnte eine Musterdemokratie sein. Doch der Präsident misstraut seinem Volk – womit er ausgerechnet den Einfluss militanter Islamisten im Urlaubsparadies vergrößern könnte.

Am Ufer des Mittelmeeres, gleich neben den legendären Ruinen von Karthago, steht ein weißer Palast. Verschanzt hinter einem Gestrüpp aus Palmen, Pinien und Überwachungskameras, wohnt hier der mächtigste Mann Tunesiens. Seine Festung, über der eine gewaltige Flagge weht, ist unübersehbar, doch Zine el-Abidine Ben Ali liebt es nicht, wenn man zu lange darauf schaut. Für die Touristen, die busweise nach Karthago kommen, hat er ein großes Warnschild aufstellen lassen: Fotografieren in Richtung Palast verboten. Wer zuwider handelt, hat vielleicht zum letzten Mal Urlaub in Karthago gemacht. Ben Ali, 71, wünscht in Ruhe gelassen zu werden. Der Präsident, dessen zeitloses Konterfei – ein lächelnder Mann mit vollem schwarzen Haar – in jedem tunesischen Lokal, hinter jedem Hoteltresen und Bankschalter hängt, scheut die Öffentlichkeit. Wenn er reisen muss, werden ganze Vororte abgesperrt, auf Kundgebungen hält er Abstand zum Publikum. Interviews gibt er seit Jahren nicht mehr.

Der ganze Artikel: Spiegel Online
Artikel von Daniel Steinvorth

Veröffentlicht am 2. September 2008 in der Kategorie „Sonstiges zur tunesischen Politik“ des Blogs TunisianGhost