Akropolium Karthago geschlossen und unter Zwangsverwaltung

Beamte des Kulturministeriums haben Berichten zufolge das Akropolium in Karthago geschlossen und unter Zwangsverwaltung gestellt, wie der Journalist und Moderator Hatem Bourial am Samstag, den 9. Januar 2021 mitteilte.

In einer auf seinem Facebook-Account geteilten Veröffentlichung verkündete der Radiomoderator und Kulturjournalist Hatem Bourial „mit dem Tod in der Seele und tiefem Abscheu“ die Schließung der Kathedrale Saint-Louis von Karthago, besser bekannt als das Akropolium von Karthago, eine ehemalige katholische Kathedrale, die in den letzten 20 Jahren zu einem Kulturraum geworden ist, in dem hochkarätige Musikshows und Konzerte stattfinden.

Beamte des Kulturministeriums in Begleitung von Justizbeamten und Mitgliedern der Polizei hätten „Mustapha El Okby, der den Ort seit einem Vierteljahrhundert belebt und repräsentiert hat, entlassen, ihm die Schlüssel abgenommen und das Gebäude unter Zwangsverwaltung gestellt“, präzisiert Hatem Bourial. „Fünfzehn Arbeiter stehen auf der Straße, ein künstlerisches Projekt ist ruiniert mit Stillstand als Bonus. So wird die Kultur unter falschem Vorwand vernichtet“, fügt er hinzu.

Petitionen und eine Unterstützergruppe (u.a. der Verein der Freunde von Karthago) wurden gerade ins Leben gerufen, um sicherzustellen, dass das Acropolium von Karthago ein Ort der Kultur bleibt.

Info Akropolium: Die Kathedrale des heiligen Ludwig von Karthago ist ein ehemals christlicher Kirchenbau in der Stadt Karthago in Tunesien.
Geschichte.
Die Initiative zum Bau einer Kathedrale in Karthago ging von Kardinal Charles Martial Lavigerie aus, der im Jahr 1884 zum Erzbischof von Karthago und Primas der römisch-katholischen Kirche von ganz Afrika ernannt worden war. Tunesien stand seit 1881 unter französischem Protektorat, aber bereits im Jahr 1830 hatte der französische Generalkonsul in Tunis von Husain II. Bey die Erlaubnis zum Bau eines christlichen Gotteshauses erhalten. Die im byzantinisch-maurischen Stil gehaltene Kathedrale wurde auf dem Byrsa-Hügel von Karthago errichtet, auf dem sich mutmaßlich die Akropolis der Punier befunden hatte, direkt neben dem Fundament eines dem Asklepios geweihten Tempels. An jenem Ort wurde auch der Standort des Zelts des französischen Königs Ludwig IX. des Heiligen (Saint Louis) vermutet, in dem er am 25. August 1270 während des siebten Kreuzzuges gestorben war. Die im Jahr 1890 fertiggestellte Kathedrale wurde ihm geweiht und seine als Reliquien verehrten Eingeweide, die Kardinal Lavigerie von König Franz II. von Sizilien erworben hatte, fanden hier ihren neuen Aufbewahrungsort.
Nach seinem Tod im Jahr 1892 wurde Kardinal Lavigerie in der Kathedrale bestattet. Nach der Unabhängigkeit Tunesiens im Jahr 1956 wurden die Reliquien des heiligen Ludwig nach Paris (Sainte-Chapelle) transferiert, und nachdem im Jahr 1964 die römische Kirche den Bau an den tunesischen Staat übergeben hatte, wurde der Leichnam des Kardinals nach Rom überführt. Nachdem das Gebäude seit 1964 ungenutzt geblieben war, erhielt es im Jahr 1994 als kulturelle Begegnungsstätte (Acropolium) und Museum eine neue Funktion.

Titelbild: User:SvenZ – Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5