Emrhod Consulting Okt 2021: Befragung zur Politik und Wahlabsichten

In der jüngsten Umfrage von Emrhod Consulting, die von Business News und Attessia in Auftrag gegeben, im Zeitraum zwischen dem 29. Sep und dem 1. Okt 2021 durchgeführt und am Freitag, den 1. Oktober 2021, veröffentlicht wurde, hat das Institut die Bürger zu den aktuellen Ereignissen und zu ihren Wahlabsichten befragt. Die Studie basiert auf einer repräsentativen Stichprobe der tunesischen Gesellschaft, die sich aus Personen ab 18 Jahren aus den 24 Gouvernoraten des Landes zusammensetzt. Die Fehlermarge wird auf 3,2 % geschätzt.

69 Prozent der Tunesier unterstützen das Präsidialdekret 117
79% der Tunesier sind aktuell mit der Leistung des Staatspräsidenten Kaïs Saïed zufrieden, gegenüber 82% im Vormonat.
Nach Angaben der Meinungsforscher hat Saïed zwischen August und September 3 Punkte verloren. Der Rückgang der Popularität ist nicht groß, aber sie bröckelt. Ein Rückgang, der sich durch den Anschein einer beginnenden Desillusionierung erklären lässt, die vielleicht aus der Ungeduld beim Warten auf Entscheidungen des Präsidenten bezüglich einer neuen Regierung resultiert. Das Ausmaß des Rückgangs könnte auch darauf zurückzuführen sein, dass die Umfrage zwischen dem 29. September und dem 1. Oktober 2021 durchgeführt wurde. Die Ankündigung der Ernennung einer Frau zur Regierungschefin hätte also den Rückgang der Popularität von Kais Said abmildern können.

Die Befragten scheinen jedoch weniger von Dekret 117 überzeugt zu sein. Während 87% die Maßnahmen vom 25. Juli und 81% ihre Verlängerung befürworteten, unterstützen nur 69% der Tunesier das Dekret 117, in dem die Aussetzung großer Teile der Verfassung von 2014 und die Übergangsbestimmungen festgelegt sind.
Der Tunesier ist immer noch Feuer und Flamme für sein Staatsoberhaupt, aber er wird langsam ungeduldig. Und es ist diese 69-prozentige Zustimmungsrate für das Dekret 117, mit dem Kais Saïed offiziell zum Chef der gesamten Exekutive wird, ohne jede mögliche Gegenmacht. Ein Rückgang von 12 Punkten von einem Monat zum nächsten. Und es scheint fast so, als ob, um eine Erklärung zu geben, die Saïeds Fans in den sozialen Netzwerken, in denen sie sehr aktiv sind, nicht erfreuen wird, dass hochgerechnet fast 70% der Tunesier gegen die Errichtung eines außerordentlich präsidialen Regimes sind.

Legislativwahlen: 76,7 Prozent der Tunesier wissen nicht, wen sie wählen sollen!
Laut der jüngsten Befragung befinden sich die politischen Parteien im freien Fall und 76,7% der Tunesier wissen nicht, wen sie wählen sollen. Außerdem liegt die  (virtuelle) Partei „Kaïs Saïed“ mit 11,2% an der Spitze, gefolgt von der PDL mit 4,1% und der Ennahdha-Bewegung mit 2,7%.

Präsidentschaftswahlen – Saïed verliert Punkte, führt aber weiterhin bei den Wahlabsichten
Befragt zu den Wahlabsichten für die Präsidentschaftswahlen zeigt sich folgendes Bild: Der Präsident der Republik, Kaïs Saïed, liegt mit 71,2% der Stimmen der Befragten in Führung. 21,5% der befragten Bürgerinnen und Bürger wissen nicht, wen sie wählen würden, und 2,9% von ihnen geben an, dass sie für die Vorsitzende der PDL, Abir Moussi, stimmen würden.
Am 1. September 2021 lag Kaïs Saïed bei den Präsidentschaftswahlen noch mit 82% der Stimmen in Führung. Ihm folgte Abir Moussi mit 3%.

68 Prozent der Tunesier halten die Nominierung von Najla Bouden Romdhane für „eine gute Wahl“
68% der Tunesierinnen und Tunesier sind der Meinung, dass die Ernennung von Najla Bouden Romdhane zur Regierungschefin „eine gute Sache“ für das Land sei. 6% der Befragten waren der gegenteiligen Meinung und 27% hielten nichts davon.
Von den 68% der Bürger, die diese Ernennung begrüßten, reagierten 22% empfindlich auf die Tatsache, dass es sich um eine Frau handelt, und 35% meinten, dass diese Ernennung eine gute Sache sei, weil Frau Bouden keine „bekannte“ Persönlichkeit sei.
Von den Tunesiern, die dieser Ernennung nicht positiv gegenüberstanden, waren 19% der Meinung, dass das Amt nicht von einer Frau bekleidet werden sollte, 25% warfen die Frage der Legitimität auf und 44% bedauerten, dass Najla Bouden keine „bekannte“ Persönlichkeit sei.

74 Prozent der Tunesier sind optimistisch
Die jüngste Umfrage von Emrhod Consulting vom 2 Okt 2021 zeigt, dass 55% der Tunesier glauben, dass sich die Wirtschaft verbessere, während 30% glauben, dass sie sich verschlechtert. 74% der Befragten sind optimistisch, was die Zukunft Tunesiens angeht, während 19% pessimistisch sind.

Fast 70% der Tunesier sind gegen die Errichtung eines außerordentlich präsidialen Regimes. Es stimmt, dass dies auch nicht das ist, was Saïed gerne tun würde. Seine Idee ist die einer Demokratie, in der die Wähler überparteiliche Kandidaten für Gemeinderäte und gewählte Beamte wählen würden, die dann für höhere Positionen in einem Parlament ausgewählt würden, dass nicht mehr direkt durch allgemeine Wahlen gewählt würde. Dies würde dazu führen, dass die Abgeordneten aufgrund ihrer Verdienste und nicht aufgrund ihrer Parteizugehörigkeit oder Ideologie gewählt würden. Ein Modus, der der Partitokratie (Parteienherrschaft), die der Präsident hasst, ein Ende setzen wird. Ein Regimewechsel, den er anscheinend durch eine Monokratie (Alleinherrschaft) herbeiführen will.

Quelle(n): Business News | African Manager

Anmerkung (3 Okt 2021): Wir haben dem Artikel nachträglich noch einige Passagen einer Einschätzung aus dem African Manager zugefügt. Diese sind durch Kursivschrift gekennzeichnet.