Vogelzählung 2022: Umweltverschmutzung gefährdet Vögel in Tunesien

Im Rahmen der internationalen Vogelzählung 2022 besuchten die Beobachter der Vereinigung “Les Amis des oiseaux” (“Freunde der Vögel”) zwanzig Feuchtgebiete in drei Gouvernoraten im Norden Tunesiens. Es handelt sich dabei um Nabeul, Zaghouan und Bizerte, in denen sich einige bedeutende Feuchtgebiete befinden. Laut des wissenschaftlichen Koordinators der Organisation, Hichem Azafzaf, leiden diese Gebiete jedoch unter einer starken Umweltverschmutzung, die sich negativ auf die Biodiversität auswirkt.

Die Beobachterteams der Vereinigung “Les amis des oiseaux” haben seit dem 1. Januar 2022 im Rahmen der internationalen Wasservogelzählung (DIOE), einem internationalen Programm, an dem 150 Länder teilnehmen, mit der Überwachung der Feuchtgebiete in Nordtunesien begonnen. Vom 1. Januar bis zum 7. Januar 2022 besuchten die Teams des Vereins zwanzig Feuchtgebiete, darunter 13 Dämme, 3 Sebkhas, 2 Lagunen und 2 Garaets (Seen). Darunter befanden sich auch symbolträchtige Gebiete wie der Ichkeul-See oder die Korba-Lagune, die laut einer Pressemitteilung des Vereins eine große Bedeutung für winterliche Wasservögel haben. Laut einer ersten Bilanz der Zählung beherbergen die 20 Feuchtgebiete 42.072 Vögel, die 82 Arten repräsentieren. An erster Stelle steht die Pfeifente mit über 13.000 Individuen, gefolgt vom Flamingo mit über 8.800 Individuen und dem Goldregenpfeifer mit über 3.200 Individuen.

Hichem Azafzaf wies darauf hin, dass die Verschmutzung in den meisten der besuchten Feuchtgebiete nach wie vor das größte Problem darstellt. Dabei handelt es sich um Bau- und Abrissschutt, Haushalts- und Industrieabfälle oder auch um Wasserverschmutzung. Dies wirke sich negativ auf die biologische Vielfalt in diesen Gebieten aus. Er fügte hinzu, dass mehrere Feuchtgebiete in den letzten Monaten auch ein Niederschlagsdefizit verzeichnet haben, was sich stark auf die Anzahl der Vögel auswirkte.

Und nicht nur auf die Vögel. Diese Verschmutzung hat sehr ernste Auswirkungen auf den Menschen in direkter Weise, wenn sie auf Gebiete trifft, die als Hochwasserschutz und Kohlenstoffspeicher gelten. Unter unseren verschmutzten Feuchtgebieten gibt es jedoch auch Gebiete, die Tunesien gemäß der internationalen Ramsar-Konvention (Übereinkommen über Gewässer und Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung) zwingend schützen muss.

Titelbild: Illustrationsfoto: Zugvögel am Ichkeul – Bild: Elgollimoh, CC BY-SA 3.0

Quelle: Réalités

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