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Untergang der XELO: Ursachen, Hintergründe, Bergung? (Update)

Untergang der XELO: Was weiß man über die Hintergründe? Update 27.04.2022: Mohamed Karray, Sprecher und Staatsanwalt beim Gericht erster Instanz in Gabes, gab am Dienstagabend, den 26. April 2022, bekannt, dass der Untersuchungsrichter sieben Haftbefehle gegen die Besatzungsmitglieder des Schiffes Xelo ausgestellt hat. Die Haftbefehle wurden gegen Mitternacht ausgestellt.
Die Staatsanwaltschaft beim Gericht erster Instanz in Gabes hatte am 22. April die Einleitung einer Untersuchung beim Untersuchungsrichter zum Untergang gegen die Besatzung des Schiffes, dass vor der Küste von Gabes gesunken war, genehmigt. Der Schiffsbesatzung wurde vorgeworfen, sich zu einer kriminellen Vereinigung zusammengeschlossen zu haben, um einen Anschlag auf Personen oder Eigentum vorzubereiten oder zu begehen, und war deshalb in Haft genommen worden.

Update 22.04.2022: Überraschende Wende: Laut der tunesischen Marine, deren Taucher das am vergangenen Samstag 7 km vor der Küste von Gabes im Südosten Tunesiens gesunkene Öltankschiff Xelo untersucht haben, sind die Tanks des Schiffes mit Meerwasser gefüllt und enthalten keinen Treibstoff, wie die gerettete Besatzung behauptet hatte. Brigadegeneral Mezri Letaief erklärte am Freitag, den 22. April, auf einer Pressekonferenz im Handelshafen Ghannouch in Gabes, dass die Xelo keinen Diesel in ihren Tanks habe, sondern das diese vielmehr mit Meerwasser gefüllt seien, und dass das Abpumpen des Tankinhalts daher eingestellt werde, bis das gesunkene Schiff geborgen sei. Zudem seien mehrere Navigationsgeräte zerstört oder entfernt worden.
Diese neuen Fakten bestätigen den Verdacht um die Umstände des Untergangs der Xelo und die Behauptungen der geretteten, sieben Mann starken Besatzung, der es verboten ist, das tunesische Hoheitsgebiet zu verlassen und die zur Verfügung der Ermittler gehalten wird, zumal sie eine völlig gefälschte Version der Ereignisse gegeben hat, deren Lücken die Ermittler bald aufdecken wollen.
Zusatz zum Update  vom 22.04.2022: Die sieben Besatzungsmitglieder sind mit dem Vorwurf: „Bildung einer kriminellen Vereinigung, um einen Anschlag gegen Personen oder Eigentum vorzubereiten oder zu begehen“ in Haft genommen worden.

Update 21.04.2022: Das Verteidigungsministerium berichtete über die jüngsten Maßnahmen zur Verhinderung einer Meeresverschmutzung nach dem Untergang des Tankers Xelo. In einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung heißt es, dass die detaillierte Fotografie des Schiffes und des Treibstoffpumpensystems abgeschlossen sei, um die Extraktion des Treibstoffs vorzubereiten. Außerdem wurden alle kleinen Lecks, die bei den ersten Tauchgängen entdeckt worden waren, abgedichtet und ausgetretene Stoffe abgepumpt.

Um die Sicherheit der Schifffahrt zu gewährleisten, wurde eine Signaleinrichtung installiert, dass die Unglücksstelle markiert, und in Abstimmung mit den tunesischen Privatunternehmen, die mit der Operation beauftragt werden sollen, wurde ein Einsatzplan für das Absaugen des Dieselkraftstoffs ausgearbeitet. Die für den Pumpvorgang erforderliche Ausrüstung wurde bereitgestellt und die Zugänge zu den Tanks werden am Donnerstag geöffnet, um die Gesamtmenge des Dieselkraftstoffs zu ermitteln, damit die entsprechenden Behältnisse vorbereitet werden können.
Diese Operationen wurden im Rahmen einer Kooperation zwischen der Armée de la Mer, dem Office de la Marine Marchande et des Ports, tunesischen Privatunternehmen, die im maritimen Bereich tätig sind, und dem italienischen Militärschiff durchgeführt, so das Verteidigungsministerium.

Update 19.04.2022: In einer Erklärung, die am Abend des Dienstag, den 19. April veröffentlicht wurde, äußerte sich die Hafenbehörde von Damietta in Ägypten zu dem im Golf von Gabes gesunkenen Frachter Xelo. “ Das besagte Schiff wurde überhaupt noch nie vom Hafen Damietta empfangen und sei daher nicht der Abfahrtshafen des versunkenen Schiffes“. Es sei darauf hingewiesen, dass die siebenköpfige Besatzung des Frachters behauptet hatte, das Schiff sei von Damietta aus in Richtung Malta aufgebrochen. Gegen die Besatzung des  gesunkenen Frachters wurde ein Reiseverbot von 15 Tagen ausgesprochen, dass verlängert werden kann.

Die von den tunesischen Behörden freigegebenen Informationen über die Umstände des Untergangs des Öltransportschiffs XELO (IMO 7618272) am Freitag, den 15. April 2022, 7 km vor der Küste von Gabès im Südosten Tunesiens lassen darauf schließen, dass es sich um ein Schrottschiff handelt, dass von Schmugglern benutzt wurde, die von der in Libyen herrschenden Anarchie profitieren, um ihre Geschäfte in diesem Gebiet im Herzen des Mittelmeers zu betreiben, das von einer großen Anzahl von Schiffen überquert wird.

Diese Vermutung wird von vielen Beobachtern bevorzugt, da:

  1. das gestrandete Schiff sehr alt ist (es lief 1977 zum ersten Mal aus)
  2. nur eine geringe Menge Diesel (750 Tonnen) transportiert hatte
  3. nur sieben Mann Besatzung hat (Türkei (4), Aserbaidschan (2), Georgien (1)), darunter der Kapitän und der Mechaniker, und zwischen dem 4. und 8. April im Hafen von Sfax repariert wurde
  4. dass die gesamte Besatzung vor der Abfahrt in Sfax ausgetauscht wurde
  5. dass sich ihre Spur zwischen dem 8. und dem 15. April verlor, bis das der Notruf an die Behörden im Hafen von Gabes gesendet wurde

Das heißt, es gab sechs Tage lang umgeklärte Aktivitäten in dem Gebiet zwischen der libyschen, tunesischen, maltesischen und italienischen Küste, deren Art und Zwecke untersucht werden müssen. Das Schiff soll zwei Besitzer haben, die aus Libyen und der Türkei stammen.
Laut den sieben Besatzungsmitgliedern, die vor dem Untergang des Schiffes gerettet wurden, war die Xelo vom ägyptischen Hafen Damiette aus auf dem Weg nach Malta, was allerdings von den ägyptischen Hafenbehörden überprüft werden muss.

Untergang Xelo im Golf von Gabès
Aufbau von Ölbarrieren um die versunkene Xelo im Golf von Gabès

Bisher wurde kein Treibstoffaustritt festgestellt
Bis wir mehr über die Art der Aktivitäten des Ölfrachters und die Ursachen für seinen Untergang erfahren, gibt es jedoch eine gute Nachricht: Auf einer Pressekonferenz, die am Sonntag, den 17. April 2022, gemeinsam mit der Umweltministerin Leila Chikhaoui abgehalten wurde, bestätigte ihr Kollege aus dem Verkehrsministerium, Rabii Mjidi, dass seit dem Untergang des Frachters sieben Kilometer vor der Küste von Gabes kein Treibstoffleck festgestellt wurde. Er fügte hinzu, dass die Tanks des Frachters fest verschlossen seien und zwar gemäß der Angaben der Besatzungsmitglieder und der Ergebnisse der Taucheinsätze, die von einem Team der nationalen Marine durchgeführt wurden, um den Schiffsrumpf zu inspizieren und sich von dessen Zustand zu überzeugen.
Mjidi sagte, dass Taucher das Schiff an Schleppern befestigen, die es bergen sollen und dass eine Pumpaktion geplant sei, um das Öl aus den Tanks zu entfernen, was eine sehr heikle und komplizierte Operation sei, die große Geschicklichkeit erfordere. Am Abend des Sonntag, den 17. April wurde bekannt, dass diese Operationen mit Hilfe von Spezialteams der nationalen Armee begonnen wurden. 
Laut Mjidi wurden Maßnahmen ergriffen, um das Risiko einer Verschmutzung zu begrenzen. Rund um den Unglücksort des 58 Meter langen und 9 Meter breiten Frachters, der 20 Meter unter der Wasseroberfläche in einem sandigen Gebiet aufsetzte, wurden Ölsperren errichtet, um bei eventuellem Austritt von Öl durch Schäden an den Tanks das Auslaufen von Treibstoffen zu begrenzen.

Taucher im Einsatz bei der XELO
Taucher im Einsatz bei der XELO

In der Erzählung der Besatzung bleiben einige Unklarheiten bestehen
Die bisher von den Tauchern beobachteten Öllecks seien minimal und stammten aus dem Motor des Schiffes, sagte der Minister auch. Er berichtete, dass eine Untersuchung eingeleitet worden sei und die Besatzung befragt werde, um die Gründe für den Untergang des Schiffes zu verstehen, und begrüßte die Länder, insbesondere Italien, die ihre Bereitschaft zur logistischen Hilfe bei der Bewältigung der Folgen dieses Unfalls zum Ausdruck gebracht hätten. Italien hat zwei Hilfsschiffe auf den Weg nach Tunesien gebracht.

Zur Erinnerung: Die Besatzung der Xelo hatte am Freitagabend darum gebeten, in die tunesischen Hoheitsgewässer einfahren zu dürfen, als ihr Schiff aufgrund der schlechten Wetterbedingungen leck geschlagen war und nach ihren Angaben zu sinken begann. Bisher wurde noch keine Hypothese ausgeschlossen und es bestehen ernsthafte Zweifel an der Route und der Art der Aktivitäten des Schiffes, die die tunesischen Ermittler aufklären müssen. In einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung kündigte das Verkehrsministerium im Übrigen die Einleitung einer maritimen Untersuchung des Untergangs der Xelo „gemäß des nationalen Seerechts und den internationalen Übereinkommen mit dem Ziel, die Rechte des tunesischen Staates zu wahren“ an. „Der Fall erfordere, die tatsächlichen Umstände des Untergangs zu berücksichtigen, die Art der Tätigkeit des Schiffes zu überprüfen und sich über seine Bewegungen während des vergangenen Zeitraums zu informieren, um je nach den Ergebnissen der Untersuchungen alle notwendigen rechtlichen Maßnahmen zu ergreifen“, hieß es in der Erklärung weiter.

Mit Material von: Kapitalis | TAP | Ministerium für Transport (Bilder)|