Bedrohungen für die Ernte 2022 in Tunesien

Die tunesischen Landwirte machen keinen Hehl aus ihrer Sorge um die Ernte 2022 angesichts zahlreicher Gefahren, die auf sie lauern. Rund zwei Millionen Tonnen (20.000.000 Doppelzentner) Getreide sollen in diesem Jahr vor dem Hintergrund der weltweiten Krise und eines beispiellosen Anstiegs der Lebensmittelpreise, der die Last der Getreideimporte erhöht, geerntet werden. Benötigt werden rund 3,1 Millionen Tonnen (31 Mill. Doppelzentner).

Die Angst der Landwirte
Die repräsentativen Bauernverbände empfehlen die Notwendigkeit, in diesem Jahr so viel Getreide wie möglich zu sammeln, um den lokalen Markt mit mindestens zwei Dritteln des jährlichen Verbrauchs an Getreide und Futtermitteln zu versorgen. Der Getreideverbrauch in Tunesien liegt laut offiziellen Angaben des Getreideamts bei 3,4 Millionen Tonnen (34.000.000 Doppelzentner). Die Getreideimporte werden an die jährlichen Produktionsraten angepasst.

Die Hälfte der Getreideimporte des Landes stammen aus Russland und der Ukraine. Tunesien steht in der MENA-Zone unter den Ländern, die Weizen aus Russland und der Ukraine importieren, an zweiter Stelle. Die Landwirte machen in diesem Jahr keinen Hehl aus ihrer Sorge über die Brände, die über der Getreideernte schweben, die vor einer Woche mit der Ernte von Futtergerste und Raps begonnen hat.
Neben den strukturellen Schwierigkeiten könnte die Weigerung der Behörden, den Milchpreis im Gegenzug für höhere Futtermittelpreise zu erhöhen, die Viehzüchter dazu veranlassen, ihre Ernte nicht abzuliefern und sie stattdessen für den Eigenverbrauch als Viehfutter zu verwenden oder sie zu höheren Preisen auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen.

Das Ministerium für Landwirtschaft, Wasserressourcen und Fischerei gibt an, dass die Getreideproduktion Tunesiens in diesem Jahr voraussichtlich 2 Millionen Tonnen (20 Mill. Doppelzentner) erreichen wird, verglichen mit 1,6 Millionen Tonnen (16 Mill. Doppelzentner) in der letzten Saison, und betont, dass ein Programm zur Modernisierung der Ernte, des Sammelns und des Lagerns eingeführt wurde.

Das Land, das unter einer großen Finanzkrise leidet und durch den Anstieg der Weltmarktpreise für Weizen infolge des Krieges in der Ukraine hart getroffen wurde, importierte in diesem Jahr Getreide im Wert von rund einer Milliarde Dinar. Anfang April dieses Jahres kündigte die Regierung eine 30%ige Erhöhung der Preise für lokales Getreide für die Ernte 2022 an, um die Produktion zu steigern und große Mengen Getreide zu sammeln, um die für Importe bereitgestellten Mittel zu reduzieren und die Ernährungssicherheit des Landes zu verbessern.

Schwierigkeiten bei der Auffüllung der Getreidevorräte
Das US-Landwirtschaftsministerium erklärte in einem kürzlich veröffentlichten ausführlichen Bericht über den Stand der Produktion und des jährlichen Getreidebedarfs in Tunesien, dass die Weizen- und Gerstenkulturen angemessene Niederschläge erhalten hätten. Es prognostiziert für 2022/23 eine Weizen- und Gerstenproduktion von 1,1 Millionen Tonnen bzw. 420.000 Millionen Tonnen, wobei die Importe voraussichtlich 2,1 Millionen Tonnen bzw. 950.000 Millionen Tonnen betragen werden.
Trotz angemessener Wetterbedingungen während der Aussaatperiode zwischen Oktober und Dezember 2021 säten die Landwirte aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Unsicherheit in Tunesien und der Zurückhaltung der Landwirte, finanzielle Risiken einzugehen, kleinere Flächen aus, berichtet das US-Department. Die Weizenaussaatfläche für 2022/23 ging im Vergleich zu 2021/22 von 607.000 Hektar (ha) auf 579.000 ha zurück, davon 515.000 ha Hartweizen und 64.000 ha Weichweizen. Die mit Gerste besäte Anpflanzung beträgt 430.000 ha, gegenüber 510.000 ha im Vorjahr. Die bewässerte Anpflanzung von Weizen und Gerste stieg leicht von 73.000 ha auf 74.000 ha.
Laut der Daten des Berichts sicherten trotz der unzureichenden Niederschläge im Januar und Februar 2022 moderate Temperaturen das Überleben der Weizen- und Gerstenkulturen in Tunesien. Daher wird für das Land eine durchschnittliche Weizen- und Gerstenproduktion erwartet.

Der tunesische Weizenverbrauch für 2022/23 wird voraussichtlich 3,1 Millionen Tonnen (31 Mill. Doppelzentner) betragen, was einen durchschnittlichen Wachstumstrend von etwa 2 Prozent widerspiegelt. Der Gerstenverbrauch für 2022/23 wird voraussichtlich 1,355 Mio. Tonnen (13,55 Mill. Doppelzentner betragen, was einen mittleren Wachstumstrend widerspiegelt. Um die Nachfrage zu decken und gleichzeitig die Lagerbestände zu halten, wird laut des Berichts erwartet, dass die Weizenimporte Tunesiens 2022/23 bei 2,1 Mio. Tonnen liegen werden, während die Gerstenimporte voraussichtlich 950.000  Tonnen betragen werden.

Ernte und Einbringen des Heus – Foto: © Dennis Jarvis/Flickr

Quelle: Tunisie Numerique

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