Die blaue Krabbe erhält ihr erstes Festival

Auf der Inselgruppe Kerkennah, die etwa 21 Kilometer vor der Küste von Sfax (Südosttunesien) liegt, findet vom 17. bis 19. Oktober 2022 das erste Internationale Festival der Blauen Krabben statt. Diese invasive Art, die über den Suezkanal ins Mittelmeer eingewandert war, bedrohte die  traditionellen Fischfangtechniken an der tunesischen Küste, avancierte aber dann zum Exportschlager.

Diese wissenschaftliche, kulturelle, patrimoniale und kulinarische Veranstaltung wurde dank der Synergie der beiden grenzüberschreitenden Projekte Italien-Tunesien Bleu-adapt „Marine Biologische Invasion und Fischerei: Untersuchung, Schadensbegrenzung und Anpassung im Kontext des Klimawandels“ und Med Découplage „Nachhaltige Wirtschaftsmethoden für die nutzbaren Küstenabfälle der Strände“ ins Leben gerufen.

Sie zielt auf die Verwertung invasiver exotischer Meeresarten ab, um die marine Biodiversität und die lebenden Ressourcen zu erhalten. Die Veranstaltung zielt auch auf die Sensibilisierung für die Auswirkungen von Plastikmüll und die nachhaltige Bewirtschaftung der Vorkommen von Posidonia oceanica, einem endemischen Seegras und emblematischen Lebensraum des Mittelmeers, ab.
Auf dem Programm des Festivals stehen wissenschaftliche Konferenzen, Film- und Dokumentarfilmvorführungen, Workshops, Seminare und runde Tische, an denen alle Akteure der Meeresumwelt teilnehmen.
Im Mittelpunkt steht die Charfia, die feste Fischerei auf den Kerkennah-Inseln, die zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO gehört. Ausflüge auf See und Besichtigungen dieser Anlagen werden von einem Expertengremium für Fischereiwissenschaften betreut.
Ein Fokus auf Umweltaktionen ist ebenfalls Teil der Aktivitäten des Festivals, mit der Einweihung des ersten ökologischen Strandes des Kerkennah-Archipels und der Einbeziehung der Fischereiflottille in die Säuberung des Meeresbodens, sowie einer ökologischen Parade, die die breite Öffentlichkeit für das Ausmaß der Meeresverschmutzung, vor allem durch Plastikmüll, sensibilisieren soll.
Es gibt auch Wettbewerbe, die der lokalen Bevölkerung, den Fischern und ihren Familien zugute kommen.

Die Blaukrabbe
Als invasive Art, die über den Suezkanal ins Mittelmeer gewandert war, bedrohte die blaue Krabbe die traditionellen Fischfangtechniken an der tunesischen Küste und beschädigte insbesondere die Netze und Reusen der Charfia (ein traditionelles, festes Fischereisystem, das den Fischen den Weg versperrt und sie zu den Reusen führt). Mit ihren scharfen Panzern und Scheren zerstören die blauen Krebse diese Netze und ernähren sich von anderen Fischarten, die ebenfalls in den Netzen oder Reusen gefangen sind.

“Blaue Krabben wurden erstmals 1993 vor der tunesischen Küste gefunden. Ab 2014 begannen sie sich massiv zu vermehren und verursachten erhebliche Schäden in der handwerklichen Küstenfischerei, vor allem im Golf von Gabès im Südosten Tunesiens, wo die blaue Krabbe in der Hochsaison mehr als 70 Prozent des Fangs in diesem Mittelmeergolf ausmachte”, so die Erklärung weiter.

Wirtschaftlicher Aufschwung durch Export
In den letzten Jahren ist es den tunesischen Fischern mit Unterstützung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) gelungen, diese invasive Art in ein Exportgut umzuwandeln.

Die erste Fabrik zur Verarbeitung und Vermarktung von Blaukrabben für den asiatischen Markt, die der Staat 2019 auf den Kerkennah-Inseln errichten wird, hat einen wirtschaftlichen Aufschwung ausgelöst, der vor Ort rund 50 Arbeitsplätze geschaffen hat. Der Privatsektor, der zunächst nur in die Verpackung und das Einfrieren von Rohprodukten investierte, ist nun an Fertigprodukten interessiert, die für Asien, Italien, Spanien und den amerikanischen Kontinent bestimmt sind. Einige Fabriken in Zarzis erwägen sogar, gekochte Krabben in ihren Katalog aufzunehmen, um andere Märkte und sogar Tunesien zu erobern.

Laut FAO steht die Blaukrabbe auf dem Weltmarkt an fünfter Stelle der begehrtesten Krabben. Besonders beliebt ist sie in Asien, den USA und Australien, wo viele Restaurants sie auf ihrer Speisekarte führen.

Siehe auch: Die blaue Krabbe: Erst Bedrohung, jetzt beliebtes ExportgutDie blaue Krabbe: Von der invasiven Spezies zum Exportschlager

Titelbild: Wikipedia User Almandine – Link

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